Nun wollte ich den Poetry Slam mal in seiner angestammten Umgebung erleben.

Lässig verabrede ich mich mit M im Café Atlantik zum Poetry Slam (damals der erste und einzige in der Stadt). Keiner meiner Freunde war jemals bei einem Poetry Slam, fühle mich als Vorkämpfer einer neuen Kulturform. Lande dann vor dem Café Atlantik auf dem harten Boden der Realität, nur weil Ü40 keiner mehr up to date ist, ist es hier noch lange nicht leer. Fühle mich fremd mit meinem Täschchen und meinem Röckchen abseits großer Gruppen schwatzender Durchschnittszwanziger, wahrscheinlich denkt hier jeder ich sei ne verirrte Lehrerein. Warte auf M, es ist so voll hier, drinnen treffen und Sitzplatz sind Unmöglichkeiten. Wir rutschen rein an die Theke und während wir eine Weile da stehen wo wir stehen kommen wir an.

Danach bleiben die Eckdaten bestehen, wir verdoppeln ungefähr den Altersdurchschnitt und finden es ganz klasse. In einem Chaos aus Spagetti Bolognaise für 2,50€, laut schwatzenden Studigruppen und klirrenden Gläsern treten die Slammer auf. Die Kunst ist alleine schon die Aufmerksamkeit zu bekommen, danach sind die positiven und negativen Reaktionen unmittelbar. Mir wird klar warum die Jungs auf der Buchmesse (siehe Poetry Slam I) so gelassen waren, die durch die Hölle gingen, hier härtest du ab.

Natürlich kann ich mit einigen Inhalten nichts anfangen und denke mal wieder ich wollte keine zwanzig mehr sein (diese Art von Liebeskummer und Anti-Eltern und allgemeinem Herzschmerz). Aber wie sich diese Jungen ausdrücken und mit ihrem persönlichen Ausdruck der Gruppe stellen, finde ich bewundernswert.

Einfach mal reinschnuppern:

Visit YouTube – Finale der 16. Deutsche Slam Meisterschaften – Folge 1

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