Monthly Archives

August 2013

in Fundstücke

Infos, die die Welt nicht braucht …

Mir persönlich reicht ja ein Halt pro Haltestelle:

IMG_0902

Der Freiburg-Insider weiß natürlich, dass es diverse Stellen in Freiburg gibt, an denen man zocken kann, wo die Bahn denn wohl anhält. Wer falsch geraten hat (gerne ausgelöst durch plötzliche  Änderungen der  Einfahrtsreihenfolge auf der digitalen Anzeigentafel, die nur durch plötzliches Löschen einer angekündigten Bahn, sozusagen deren stillschweigende Eliminierung, getoppt wird. Und jawohl, ich tue mich schwer, auf einen Exkurs, was aus diesen namenlosen Bahnen wohl geworden ist, zu verzichten) muss rennen.

Aber frei nach der Maxime „Keine Details bitte, ich habe schon eine Meinung“ machen wir jetzt eine Visualisierungsübung. Wir stellen uns diese Stelle mit geschlossenen Augen vor (Outsider machen spaßeshalber mit, ich versuche es so anschaulich wie möglich zu gestalten):

Wir stehen nicht am Haltehäuschen der S-Bahn (denn von hier aus würde man das Schild ja gar nicht sehen, neihein, das wäre ja echt zu einfach, das Schild steht weiter unten) sondern vor dem Eiscafé in unserem Rücken. Ohne es zu wissen haben wir somit eine günstige Mittelposition eingenommen, von der aus man in alle Richtungen zu den jeweiligen Bahnen sprinten kann.

Wir sind leicht verwirrt weil ortsunkundig, wissen nicht welche der drei Bahnlinien, die hier fahren, wir nehmen sollen. Vielleicht würzen wir das Ganze noch durch unzureichende Sprachkenntnisse? So ein spanischer Student, erstes Semester, auf dem Weg zu seiner WG-Zimmer-Besichtigung? Müde und hektisch, den Reisführer locker in der Hand?

Vor uns ist die hohe Kante, die uns vom Betreten des Bahnkörpers abhalten soll. Hinter uns drängen sich Menschen mit Eis, andere Menschen sitzen auf den Stühlen und unterhalten sich, auf der Gegenseite rumpelt eine S-Bahn der Gegenrichtung durch. Touristen eilen auf diesem Weg in die Stadt, vielleicht kommen noch lauthals ein paar Schüler durch auf dem Weg zu einem Horror- oder wahlweise Liebesfilm im weiter unten befindlichen Kino.

Die Stelle ist also eng und laut, ab und an weht der Backtriebmittelduft der diversen Backshops in der Nachbarschaft durch und überdeckt gnädig die Gerüche der vergangenen Nacht.

Dann, ahh, gleichzeitig fahren zwei Bahnen ein, weiter hinten zuckelt schon die dritte heran, jetzt, ohweh, welche Bahn nehmen? Ach, nehmen wir die 5, die zuletzt einfährt, fast ist die Nummer schon nicht mehr zu lesen, so weit weg muss unsere arme Bahn halten, weil kein Platz mehr vor dem Haltehäuschen ist.

Aber da, bevor unser Student zögern muss und mit beginnenden Tränen im Auge nicht weiß was tun, fällt sein Blick auf unser Schild. Zweifelsfrei erkennt er den Schriftzug „ZÜGE HALTEN NUR EINMAL“ und die Verwirrung löst sich auf, er weiß jetzt Bescheid, leichten Schrittes rennt er nach hinten, denn er weiß, eine zweite Chance bekommt er nicht.

So, wie immer ihr diese Visualisierung nun mit geschlossenen Augen lesen konntet, hier mein Statement: Wer findet diesen Hinweis, wenn es echt darauf ankommt?

Schilder von der Straße! Leben mit gesundem Menschenverstand!

Ich habe genug von Schildern, Tafeln und Informationsrundmails, die nur gemacht werden, damit irgendwer am Ende selbstzufrieden sagen kann „Aber da stand es doch“, wenn es einem fast unmöglich gemacht wird, eine Information auch zu erkennen und zu verarbeiten!

Basta!

————————————-

Nachtrag:

Eine freundliche Stimme hat mir den Sinn dieses Hinweises erklärt. Da der Haltesteg an dieser Stelle „Stadttheater“ sehr lang ist, soll der Hinweis wohl dazu dienen, trügerische Hoffnungen zu zerstreuen, die S-Bahn, die hinten hält, könne noch vorfahren und erneut halten.

 

in Fundstücke

Kopfweh

Wellcome monday … und dann gibt es noch die Tage, an denen einem einfach die Tauben aus dem Kopf wachsen.
Guten Wochenstart liebe Welt…

IMG_0893

in Fundstücke

Tarnrad

So manches gestohlen geglaubte Fahrrad hat sich nur getarnt … oder:
„Wenn es mal wieder länger dauert, bis Herrchen zurück kommt“:

IMG_0899[1]

in Song der Woche 2013

Song der Woche 34

Klaus Nomi – Oh What Power Art Thou (Cold Song) aus der Oper King Arthur von Henry Purcell
Visit YouTube

Kennt noch jemand Klaus Nomi, deutscher Countertenor, der in New York in den 80ern Karriere machte? Starb leider schon sehr früh an den Auswirkungen von Aids. Unverwechselbarer Stil, bizarr, melodramatisch, einzigartig.

in Versatzstücke

Weisheit to go

Vor einigen Tagen saß ich an einem sonnigen Urlaubstag in einem Straßencafé an einem schönen und schattigen Platz und war sehr zufrieden mit diesem Tag bis dahin.

Der einzige Störfaktor war der Kellner, der es auf eine unheimliche Art schaffte, gleichzeitig langsam, laut und unfreundlich zu sein. Ich atmete ruhig und hatte einvernehmlichen Blickkontakt mit der alten Dame am Nachbartisch, die die langwierige Prozedur des Bezahlens gegen alle Widerstände des Kellners geschafft hatte.

Langsam richtete sie sich auf, brachte ihren Körper in Position und machte sich auf den Weg. An meinem Tisch hielt sie inne, sah mich lächelnd an und sagte: „Ich habe gelernt, man muss die Menschen nehmen wie sie sind, andere gibt es nicht“ nickte und verschwand.

Eigentlich eine filmreife Szene, ich hüte sie als geschenkte Weisheit.

in Song der Woche 2013

Song der Woche 33

Robin Thicke – Blurred Lines / LIVE on the Voice Australia
Visit YouTube

Also kann der Mann doch singen, fordere Robin Thicke als nächsten James Bond, hat so diesen frauenverachtenden Connery-Charme *zwinker

in Fundstücke

Der beste Auftritt von Daft Punk ohne Daft Punk ever

Comedian Stephen Colbert hat in seiner Sendung ein eigenes Tanzvideo zum Song...

Hier die Geschichte: Stephen Colbert, der auf dem amerikanischen Sender Comedy Central eine Show namens „The Colbert Report“ ausstrahlt, hat ein Problem: Bereits vor einem Monat hat er Daft Punk zur Performance des Sommerhits „Get Lucky“ eingeladen, aber wegen eines exklusiven Auftritts bei den MTV Awards sagen diese kurzfristig den Auftritt ab.

Colbert improvisiert nun selbst vermeintlich spontan eine Tanzeinlage mit u.a. Jeff Bridges, Matt Damon und -man glaubt es kaum- Henry Kissinger, um die Lücke zu füllen. Ist es die perfekte Rache (da er auch den vermeintlich geheimen MTV-Auftritt ausplaudert) oder ein perfekter Marketinggag (beide Sender gehören zur Firma Viacom)?

Hintergründe hier nochmals im Artikel von Spiegel Online, aber egal was nun wahr ist, das Video ist köstlich, also unbedingt reinschauen:
Visit The Colbert Report
Und weil es so schön ist, auch gleich noch Robin Thicke bei Stephen Colbert, der zufällig auch mein nächster „Song der Woche ist“ (blödes Original-Video, toller Sommersong).

in Reisen – München

München vom 27. bis 31.7.2013

Eigentlich sind wir zur Geburtstagsparty einer Nichte angereist, Katja feiert ihren 30sten und wir verbinden diesen Anlass mit ein paar Tagen Familie und Streifzügen durch die sommerliche Stadt.

Einen Tag vor Abreise sehe ich Details der Einladung über facebook, ach du Schreck, eine 80er-Mottoparty soll es werden. Schreibe Katja, das ich ganz gerührt bin, dass sie eventuell annehmen könnte, ich würde noch in meine 80er-Klamotten passen. Gebe die Unmöglichkeit zu, schlage aber vor, dass sie mir ein Schild zum Umhängen bastelt, mit der Aufschrift „Zeitzeuge – die 80er, ich war dabei“. Na, das Verkleiden überlassen wir wohl der Generation, die nicht weiß, wie schlecht Karottenhosen mit Bundfalten in der Realität aussehen.

Samstag kommen wir an, am Abend geht es gleich an die Isarwiesen. Perfekte Organisation, das Bier kühlt im Flußbett, drei große Steroporkisten mit Eis halten weitere gekühlte Getränke vor, eine Kiste nur mit Jägermeister und Ramazotti, liebevoll portioniert in Reagenzgläser gefüllt, die im Eis stecken. Das Salatbüffet steht, der Grill läuft, die Musik auch, und für Menschen mit Rücken und einer Abneigung gegen Decken auf hartem Boden stehen Biertische und -bänke parat, die im späteren Verlauf noch eine heikle Rolle spielen werden.

35°, summer in the city, alles sehr lässig.

IMG_0500

Grillen an den Isarwiesen – schon oft habe ich davon gehört, seit 2011 ist das gesamte Isarstück zwischen Großhesseloher Wehr und dem Deutschen Museum renaturiert und der Fluss wieder in seiner Vielfalt erlebbar. Entstanden ist eine neue Freizeitkultur mit dem Fluss in der Stadt, es wird gebadet, gechillt und gegrillt, ein Angebot, das vor allem von jungen Menschen genutzt wird.

IMG_0485

Die „Hausherrin“ bei letzten ordnenden Handgriffen

IMG_0466

Zwischendrin trieben johlend ganze Schlauchbootbesatzungen auf den überraschend schnellen Strudeln vorbei, eine Frau hoppelte auf dem Hintern über die Steine, die plötzlich im Flussbett auftauchen können, immer schreiend „mein Schuh, mein Schuh“, der Angerufene schnellte zwei Armeslängen voraus über die Wasseroberfläche. Alles sehr lustig, am Ufer sitzend, ein kühles Bier in der Hand und die Füße im Wasser baumelnd

 

Mitten im Partyverlauf haben wir noch eine besondere Begegnung, berittene Polizei patroulliert tatsächlich am Isarufer, man darf hier weder Musikanlagen betreiben noch „Möbel“ (Biergarnituren) aufstellen. Fühlen sich solche Regeln doch kleinlich an, wenn man sich selbst daran halten muss. Kurz verdirbt der Auftritt die Stimmung, zumal Katja ihre Daten angeben muss und eine Verwarnung bekommt, aber dann siegen der Sommerabend und die Freunde.

IMG_0494[1]

Entzückender Zwanziger-Kopfschmuck auf Achtziger-Party triff auf die Obrigkeit

Zu späterer Stunde will ich gar nicht mehr gehen, quengelnd möchte ich unbedingt am Fluss übernachten, unterliege aber einer Übermacht, die an mir zerrt. Wir brechen auf und lassen die Jungen alleine durch die Nacht feiern.

Am Sonntagmorgen, schwankend im Wasserbett erwachend, das uns großzügig überlassen wurde, bin ich heilfroh: gerade noch dem dicken Schädel entkommen, so deutet das sanfte Hintergrundpochen an. Immer noch 35°, wir radeln tatsächlich zum Auer Duld, einem Markt, der vierteljährlich stattfindet mit einer Mischung aus Putzmitteln, Antiquitäten, Geschirr, Fressbuden, ein Seifenkistenrennen findet statt. Heiß, heiß, zu heiß. Nach einer Stunde fühlt sich der Asphalt praktisch flüssig an, wir radeln Eis essen und verschanzen uns danach mit der Familie in der Wohnung, uff, das muss für heute genügen.

 

IMG_0536

Sieht man das Hitzeflirren? Es war leer, zu heiß, und alle die da waren hatten ständig irgendein Getränk in der Hand

IMG_0538

Super, ein Blechschild auf dem Auer Duld, diese rötliche Sonnenbräune, das strahlende Trenker-Lächeln, das hätte ich echt gerne erstanden. 120,- € waren mir aber zuviel, da genügt dann plötzlich doch ein Bild davon

 

Montagmorgen, endlich eine kleine Abkühlung, wir erkunden die Stadt. Spontan machen wir eine Stadtführung mit und streifen durch die Altstadt. Promenadenplatz (mit modernem Denkmal, Michael-Jackson-Gedenkstätte und peinlicherweise auch noch einem Huldigungsplatz für Bubbles, seinen Schimpansen), Fünf Höfe, Odeonsplatz, Dom zu unserer lieben Frau, Drückebergergasse – wir erfahren allerlei über die Stadtgeschichte, gespickt mit Anekdoten.

IMG_0558

Angelika Lohner, studierte Kunsthistorikerin und laut eigener Aussage zu der aussterbenden Art der Münchner mit münchner Ahnengalerie gehörend. Sie hat die Führung charmant und interessant gemacht

IMG_0664

Der Marienplatz mit Roland-Emmerich-Himmel, wir blieben aber trocken

 

IMG_0569

Natürlich waren wir auch „Am Platzl“, das inzwischen fast ein Schuhbeck-Imperium ist, mit Teeladen, Schokoladenladen, Eisdiele, Konditorei, Kochschule, Gewürzladen, diversen Reastaurants. Fast ermüdet es einen, ähnlich der Omnipräsenz Schuhbecks selbst in TV und Gewürzregal.

IMG_0609

Der Gewürzladen, das orientalisch aufgepeppte neue zweite Stockwerk, orientalischer Gewürzbasar, hat was von Disnesland

IMG_0572

Das sind Preise, da mach ich mit Slow Food 8-10 Kochabende von, das ist echt übertrieben, pfff

IMG_0665

Urban Gardening, diese Tomate ist hart im Nehmen

IMG_0580

Julia mit der blanken Brust, ein Geschenk der Partnerstadt Verona und eine getreue Nachbildung der dortigen Julia. Angeblich bringt sie unglücklich Verliebten gegen eine Blumenspende und die genannte Brustberührung Glück oder vielleicht zumindest Trost. Ich habe drei Rosen im Arm der Statue gezählt, achjeh

 

IMG_0590

Die Schrannenhalle, sehr gute Restaurants, eine großer Käfer-Feinkostladen und hübsche kleine Stände um viel Geld für Köstlichkeiten auszugeben. Eigentlich wollen wir am nächsten Tag hier eine Gourmet-Führung machen, es wird aber etwas dazwischen kommen

 

IMG_0594

Alles Lila oder was? Die Milka-Welt im Untergeschoss der Schrannenhalle. Inzwischen braucht ja jede Schokoladensorte ein Museum und die Läden laufen, in Köln das Lindt-Museum, in Berlin das Ritter-Sport-Museum, es lebe die Markenwelt. Wir haben nichts gekauft, trotzdem ist der Weg ins Untergeschoss ein Geheimtipp, hier gibt es saubere und völlig kostenfreie Toiletten, eine Seltenheit in heutigen Städten, in denen sich viele Restaurants nicht schämen, eine Dame mit Teller auf ihre Toiletten zu setzen

IMG_0599

13,95 für Walderdbeeren? Da gehe ich doch noch lieber sammeln also sowieso

 

IMG_0584

Alles endete im Biergarten am Viktualienmarkt. Ich bin Fan, dies ist mein Lieblingsbiergarten von allen Biergärten die ich kenne. Das Bier ist nicht teurer als im Freiburger Feierling, die Brezeln immer frisch und knusprig und man kann schauen, schauen, schauen

 

Der Dienstag wurde dann zum ungeplanten Biergarten-Test, es war ein schöner Tag, nicht zu heiß, wir sind einmal durch den kompletten englischen Garten gelaufen, wir hatten uns die Biere also verdient.

IMG_0645

Biergarten am chinesischen Turm, hier war es noch leer

IMG_0653

Haus zum See, der Schickimicki-Biergarten am Kleinhesseloher See am andren Ende des englischen Gartens. 4,20 € für eine Halbe zum Selbstholen ist satt, aber die Lage ist wunderschön

IMG_0650

Eine Ente mit Bedürfnis nach Privatsphäre

IMG_0659

Tja, dann sind wir irgendwie wieder am Viktualienmarkt gelandet

IMG_0666

Am Abend gab es dann noch Familienpicknick im Biergarten am Viehmarkt. Hier sieht es eher nach Berlin als nach München aus und Kastanien und traditionelle Biergartenbesucher findet man hier nicht, aber ein Open-Air-Kino. Ist schön, dass die Stadt die ganze Bandbreite bietet

 

Am Mittwoch begaben wir uns auf die gemütliche Heimreise, mit Zwischenstopp in Ravensburg. Tatsächlich war es sehr nett hier, eine schöne Altstadt und viele kleine Lädchen, ich glaube, hier könnte auch mal einen Tag einplanen.

Im Bereich Ravensburg gab es schon 2000 v.Chr. erste Ansiedlungen, auch Römer und Alemannen siedelten hier, urkundlich wurde Ravensburg zum ersten Mal 1088 n.Chr. erwähnt. Im Spätmittelalter (noch vor den Fuggern) war Ravensburg Sitz der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, der damals führenden deutschen Handelsgesellschaft, die in ganz Europa Niederlassungen hatte.

2011 hatte Ravensburg ca. 50.000 Einwohner und ist große Kreisstadt.

IMG_0682

Wir raten, ein altes Stadttor

IMG_0677

Und ein alter Turm, ehemals Gefängnis, mit hübschen bunten Ziegeln

IMG_0678

Die historische Altstadt ist weitgehend erhalten, Ausblicke bieten sich überall

IMG_0685

Angekommen, daheim ist auch schön, Abendstimmung auf der Terrasse im Schwarzwald