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Juli 2013

in Kultur – Allover, Kultur – Bücher

Axel Hacke – Oberst von Huhn bittet zu Tisch

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Hm, mit diesem Titel habe ich zwei Probleme, ein privates, ein inhaltliches. Zu meiner inneren Befreiung vorweg: Ich habe das Buch geschenkt bekommen, von einer Freundin, die hier auch ab und an reinliest. Natürlich in der besten Absicht, wie ich sicher weiß, und von den Eckdaten passt das auch sehr gut. Ich esse gerne, ich koche gerne, ich lese gerne und ganz besonders mag ich Dinge, die mit dieser kolumnistischen Verve daherkommen. Wer wäre da geeigneter als Axel Hacke, der Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, mit einem Buch, das den Untertitel „Speisedeutsch für Anfänger“ trägt?

Also meine Liebe, an dich gerichtet, ernsthaft Danke für das Geschenk, ich kannte es nicht und habe es nun kennengelernt, das finde ich gut und nun habe ich auch eine Meinung dazu, die ich gleich kundtun werde, das mag ich ja auch gerne *zwinker.

Klopfen wir mal den Axel-Hacke-Lack ab und nun kommt es: langweilig. Auch wenn Slow Food Deutschland, ich bin selbst sogar Mitglied, das Buch köstlich findet. Der Autor hat jahrelang Stilblüten in- und ausländischer Speisekarten gesammelt und von anderen Menschen geschickt bekommen. Entstanden ist eine Sammlung skurriler Verirrungen von Übersetzungen ausländischer Restaurants und die ach so lustigen Entgleisungen von Nahrungsmittelanbietern mit Migrationshintergrund auf deutschem Boden.

Ja, okay, es sind amüsante Beispiele darunter, nennen wir einmal die Anekdote, die zum Titel des Buches wurde. Auf der englischen Seite einer Dubliner Speisekarte heißt ein Gericht „Supreme of chicken and mushroom in a white wine cream, with penne pasta nibs and parmesan cheese“. Die deutsche Übersetzung macht daraus „Oberst (supreme) von Huhn und Breitet sich drastisch in einer Weißweincreme Aus, mit Penne Nudeln Federn und Parmesankäse“.

Spätestens jetzt bestätigt sich, dass man den Google-Übersetzer nur mit rudimentären Sprachkenntnissen benutzen sollte, mit denen sich das Ergebnis zumindest einschätzen lässt. Allerdings trägt diese Erkenntnis doch nicht für ein ganzes Buch. Irgendwann im Verlauf bekam es für mich etwas so unsympathisch Besserwisserisches, wenn nicht die freundliche Geste anerkannt wird, einem Besucher zumindest eine Übersetzung anzubieten. Dann machen wir es in Zukunft wie bei uns, eine deutsche Speisekarte und wer die nicht versteht, soll sehen wo er bleibt.

Dazu noch diese Überleitungen und Erklärungen, die ein Fitzelchen mit dem anderen sinnvoll verbinden sollen. Achja. Als Idee für ein Blog wäre das nett finde ich. So als „Fundstück der Woche“, vielleicht mit Bild und mehr Erklärung zum Fundort, nicht zur Grammatik?

Ich denke an diesem Projekt hatte der Autor Spaß und es ist sicher schön für die eifrigen Menschen, die ihm Dinge geschickt haben, sich hier wiederzufinden. Aber ehrlich, „lesen“ am Stück kann ich das nicht.

Der Verlag wirbt mit folgendem Satz für dieses Buch: „Bereicherung für jede Küche, für alle Feinschmecker, für große und kleine Köche – rätselhaft, witzig und sehr köstlich.“ Naja, in meiner Küche fehlt vielleicht ein guter Himbeeressig, aber nicht dieses Buch.

Hier noch eine Kostprobe, gelesen vom Autor:

 

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in Kultur – Musik

Parov Stelar – ZMF am 12.7.2013

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Bild: Universal Press Release

 

Parov Stelar (bürgerlich Marcus Füreder) ist ein östreichischer DJ und Produzent im Bereich Jazz, House und Downbeat und der Pionier des Elektroswing. Er hat ein eigenes Label in Linz, seit Mai 2013 aber auch einen Vertrag mit Universal Music.

Parov Stelar wurde bekannt durch die eigenwillige und einprägsame Musikunterlegung von Werbespots, auch das Internet hat eine maßgeblichen Anteil am Erfolg. Auf YouTube gibt es unendlich viele Tanzvideos zu dieser Musik, das Video „Catgroove“ des australischen Tänzers TSC Forsythe wurde mit Stand gerade eben 14.666.640 mal geklickt! Auch komische Varianten aus Fitnesstudios sind dabei, vielleicht kommt nach Zumba jetzt Elektroswing.

So, genug der trockenen Hintergrundinformationen, let´s Swing, denn bei dieser Musik verabschiede ich mich von meiner Tanzmuffeligkeit und hoppe mit. Ich habe Parov Stelar hier bereits früher unter den Songs der Woche vorgestellt, ebenso Alice Francis, mit der er produziert hat. Ich war also aus dem Häuschen, als ich gesehen habe, dass er auf dem ZMF auftritt, hingehen war ein Muss:

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Hörprobe: Parov Stelar

Die Anreise ist unlustig, mein Fahrrad hat leider einen Getriebeschaden, ich muss also den Bus zum ZMF nehmen. Puh, es ist heiß, die Menschen stehen dicht an dicht und wenn ich sehe, wer beim Busfahrer seine Parov-Stelar-Karte zeigt, weiß ich, dass das Publikum diesmal wirklich im Schnitt 22,3 Jahre alt ist. Meine Theorie, die ich noch beim LAING-Bericht geäußert habe, nämlich dass das ZMF eventuell ein eher älteres Publikum anzieht, vielleicht auch durch die Ticketpreise, ist ersatzlos gestrichen. Dieses Publikum ist jung und die Karten waren teuer.

Egal, die Sonne scheint, das ZMF ist brechend voll, an den Ständen bilden sich lange Schlangen, das habe ich hier auch schon lange nicht mehr gesehen.

Im Zelt suchen wir uns dann eine erhöhte Stelle an einer Öffnung in der Plane, darum werden wir später tanzend und schwitzend sehr froh sein. Als es dann losgeht, ohne Vorgruppe und Chichi, ist die Musik sofort mitreißend. Die dichten Bässe mit den fetzigen Bläsern bringen mich in einen fast rauschhaften Zustand, diese Musik fühlt man mit dem ganzen Körper, das ist Clubmusik . Dazu eine perfekte Liveperformance mit einer tollen Sängerin Cleo Panther, die auf ihren High Heels und im knappen Höschen sehr sexy durch die Rhythmus-Sequenzen swingt.

Das war eine Erfahrung, nichts geht über Live.

Hier noch der Trailer von der Princess-Tour 2012, der die Stimmung super einfängt und nicht übertreibt: Visit YouTube

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Die Menge tobt und swingt

P.S.: Vom 5. bis 7. September 2013 ist Tiger Rag Festival in Schmitz Katze und es tritt tatsächlich Alice Francis auf. Also hingehen.

in Kultur – Theater

17. Open-Air-Theatersportfestival – Funkensprung 10.7.13

Freunde, es bleibt dabei, es gibt in unserem kleinen Freiburg so ein großes Angebot, manchmal kommt man gar nicht hinterher und schafft nicht alles, was man machen möchte. Aber hier, durch einen Tipp an einem sonnigen Abend bin ich im Stadtpark bei den Impro-Theatertagen gelandet. 18 Uhr, noch ist es relativ leer, meine Freundin und ich haben vorgesorgt und eine kühle Flasche Sekt und zwei echte Gläser dabei. Stuhl steht in der Sonne und wegen mir können die Spiele beginnen.

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Der König (siehe Krönchen) entscheidet über die Settings. Der Fußball auffem Kopf ist der Narr, ich glaube der soll Laola starten und so, ist mir aber nicht durch Aktivität aufgefallen

Habe noch keine Erfahrung mit Theatersport, wenn ihr mehr Informationen haben wollt lest hier: Impro-Theater Freiburg. Ich glaube die Regeln sind nicht einheitlich, grundsätzlich geht es um einen Battle zwischen verschiedenen Impro-Gruppen. Die, die ich sehe, heißt „Funkensprung“. Das Publikum gibt verschiedene Settings vor, der König entscheidet welches umgesetzt wird.

Wir hangeln uns durch „Richter und Angeklagter“ (schade, hätte gerne „Schwarzfahrer und Kontrolleur“ gesehen, aber der König hat anders entschieden) und eine Szene „Auf dem Friedhof“, die völlig vom Thema abkommt. Es gibt einen Moderator der „Schnitt“ rufen und eine neue Ausrichtung geben kann, in einer Szene können Mitglieder des Ensembles sich gegenseitig ablösen. Nicht alles gefällt mir, manchmal verirren sich die Schauspieler heillos, aber ich habe insgesamt großes Vergnügen und finde diese Kunstform (für mich) neu und herrlich.

Zum Ende haben sich die Ränge gefüllt, Sekt und Sonne haben das übrige getan und ganz gelöst fordern wir die Zugabe. Wir dürfen Begriffe nennen, die die Gruppe umsetzen wird, meine Freundin wird mit ihrem fröhlichen „Schnurbelwurz“ vom König erwählt. Nach beginnender Ratlosigkeit des Ensembles formiert sich der Gedanke, die spontan vorgestellte Erfinderin des „Schnurbelwurzes“ begrüßt uns einfach als Mitglieder des örtlichen Meerschweinchenzuchtvereins, der Schnurbelwurz ist ein neuartiges Gerät zur Kürzung wildwachsender Meerschweinchenkrallen. Für ältere Meerschweinchen aber nur 10 Umdrehungen in der Minute!

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Ganz klar, der Schnubelwurz bei der Arbeit, ich finde der Darsteller in der Mitte kann die Verwirrung des Meerschweinchens in der Maschine körperlich glaubhaft ausdrücken

Die Freundin meiner Freundin hatte mitgespielt, hinterher lassen wir uns alle auf dem Rasen nieder und schauen plaudernd der nächsten Gruppe zu. Ein schöner Abend.

in Kultur – Musik

LAING – ZMF am 7.7.13

Den Meisten ist LAING wohl ein Begriff durch den Song „Morgens immer müde“, mit dem sie beim Bundesvision Song Contest 2012 für Sachsen den zweiten Platz geholt haben. Die Berliner Damencombo um Sängerin, Songwriterin und Produzentin Nicola Rost bezeichnet ihren eigenen Musikstil als Electric Ladysound.

Hier mal der Vergleich zwischen Original und der Umsetzung der Damen:

 

Das Original  – Trude Herr „Morgens immer müde“

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LAING – Official Video (siehe auch Song der Woche 12)

Bin also mit Schwesterherz auf dem ZMF, perfekter Sommerabend.  Im Spiegelzelt wird es sofort stickig, ganz voll ist es aber zum Glück für uns nicht. Wir ergattern einen Tisch und befinden uns ums Umschauen mit den Tischkollegen im Gespräch. Ein junges Pärchen, keine dreißig, sehen aus wie 25, verheiratet. Fast will es mich ein wenig gruseln, wie gesettelt die beiden schon sind „Wir leben seit fast 10 Jahren in Freiburg, waren noch nie auf dem ZMF. Jetzt sind wir mit dem Studium fertig und haben gedacht, das müssen wir auch mal machen“. Puh. Aber was soll ich sagen. So super erfolgreich waren meine Entscheidungen ja auch nicht. Egal. Sie sind herzlich.

Den Herrn gegenüber verwickeln wir auch noch in unsere Runde. Zuerst sieht er ein ganz klein wenig wie ein Beamtentyp aus, geschätzte 50, alleine da. Dann ist er im Gespräch eine Entdeckung, ganz interessiert und charmant, geradezu verschmitzt. Ist ja auch kein Standard, dass Herren ohne deutlichen Tick einfach mal so alleine in ein Konzert (gerade dieser Art) gehen. Experimentierfreudig und als er mir dann auch noch seinen hellblauen Fächer leiht, den er allen Ernstes ohne jede Profilneurose zückt, bin ich hingerissen.

Überhaupt, das Publikum hätte ich jünger geschätzt. Wegen der Musikrichtung und weil die Karten dann auch nicht so teuer sind. Vielleicht ist das insgesamt ein ZMF-Phänomen?

Dann tritt LAING auf, alle Damen sehr hübsch und geschmeidig, jede Geste sitzt, die Stimmen gefallen mir eh. Irgendwie erinnert mich der Elektrosound an Kraftwerk und Konsorten, besonders bei dem Song „Maschinell“, der perfekt einstudiert ist (hier eine frühere YouTube-live-Version, die den Stimmen nicht gerecht wird, live ist viel besser).

Allerdings erstreckt sich das Perfekte hier nur auf die Songs, ansonsten sind LAING ungemein entzückend und gar nicht kalt. Das einzige Manko: Das Konzert dauert gerade mal 75 Minuten, meine Theorie bezieht sich auf einen eventuell begrenzten Liedbestand, bisher gibt es nur eine CD und auch bei YouTube ist die Titelvielfalt nicht groß.

Wenn Sie wiederkommen werde ich hingehen, bin gespannt auf die weitere Entwicklung.

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LAING live im Spiegelzelt, herrjeh war das heiß, willkommen in Freiburg

in Reisen - Erneuerung am Bodensee

Reisen – Erneuerung am Bodensee

Angekommen – 04.06.2013

Freunde,
angekommen am Bodensee. Wenn Engel reisen, das Hoch Sabine ist auch hier und mit meinem Eintreffen brach der Sonnenschein aus *zwinker. Trotzdem ist hier noch Hochwasser, aber mich hat es heute nirgends behindert.

Der Anblick war so idyllisch, dass mir erst nach einer Weile auffiel, dass das Geländer noch weiter geht, also doch Hochwasser

Der Anblick war so idyllisch, dass mir erst nach einer Weile auffiel, dass das Geländer noch weiter geht, also doch Hochwasser

Heute Morgen noch eine Sitzung zu meiner beruflichen Zukunft, natürlich trotzdem noch ein paar schnelle Handgriffe rechts und links, Verabschiedungsdramen als würde ich auswandern weil wir alle wissen, dass sich alles geändert hat wenn ich zurück bin. Neue Verantwortlichkeit, neuer Sitzplatz, neue Funktion, einige KollegInnen gehen, Umbruch. Vielleicht der ideale Zeitpunkt für meine Auszeit, auch wenn ich viel an Mama denke.

Hier angekommen und wie ihr seht schon aktiv gewesen. Habe alles eingeräumt, Zimmer völlig in Ordnung, hatte ja das halbe Auto voll mit eigenen Kissen, Erinnerungsgegenständen für das Regal, Netbook, alle Kabel auf Gottes Erdboden, Pulsmesser, Nording-Walking-Stöcke, Bücher, Bücher … was ein Mädchen eben so brauchen könnte.

Home, sweet home

Home, sweet home

In der Bugwelle meiner Aktivität hier dann gleich alles erkundet, Notizen über interessante Aktionen gemacht, Fahrrad gemietet, Internet bestellt. Technik läuft *stolz gugg.

Dann glaube ich, hatte sich jemand in meinem Zimmer versteckt und während ich noch darüber nachdachte, ob ich noch vor der Einführungsveranstaltung um 17.45 Uhr nach Radolfzell fahren soll (Batterien vom Wecker ausgerechnet jetzt leer, Pinzette vergessen und einfach so) wurde ich mit einer Planke voll am Kopf getroffen, habe das Denken komplett eingestellt und bis 17.50 Uhr komatös geschlafen.

Hier noch ein paar Impressionen vom Seeufer. Das ist zwar nicht unmittelbar vor dem Haus, aber ein paar Spazierminuten entfernt, ideal für einen Abendgang.

Von meinen Beobachtungen im Speisesaal, dem weiteren Werdegang und so berichte ich ander Mal, denn entgegen meiner Befürchtung, ich werde ein wenig brauchen bis ich die Ruhe finde, fällt mir der Kopf fast auf die Tastatur. Also gute Nacht da draußen, freue mich über Kommentare hier und weitere Grüße.

Ausblick beim Strandbad

Ausblick beim Strandbad

 

Naja, die Mücken um die Ohren hört ihr ja nicht

Naja, die Mücken um die Ohren hört ihr ja nicht

 

Die erste Woche – 10.06.2013

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Abendstimmung über dem See

Ihr Lieben,

lange habe ich Ruhe gegeben, ich musste zuerst ankommen. Zudem habe ich ein straffes Programm, dies bevor ihr später angesichts der Bilder denkt, ich mache hier nur Urlaub. Um den Morgensport zu schaffen muss ich um 6.30 Uhr aufstehen, das ist eine halbe Stunde früher als daheim.

Dann geht es zuerst zum Ergometertraining, die Fahrräder sind im Kreis  um den zentralen Computer mit der Schwester angeordnet. Wenn du dich nicht gleich wehrst, verkabelt dich die Schwester und reißt an deinem T-Shirt rum, als hättest du das Anrecht auf körperliche Distanz verloren. Naja, sie lassen mich das jetzt selbst machen.

Dann schnell zum Frühstück, ein Brötchen und Obstquark, dafür bleiben mir gute 25 Minuten bevor ich zur Wassergymnastik muss. Aber immerhin, daheim frühstücke ich gar nicht.

Danach muss ich duschen und trocknen, einen Apfel und 10 Minuten Powernapping, dann Dehngymnastik. Das ist das tägliche Brot, dazu kommt Entspannungstraining, Labor, Arzt, therapeutisches Wandern (eine Art Halbjogging, uff), Vorträge . Kinders, in einer normalen Woche daheim schaffe ich nicht ein Zehntel. Habe schrecklichen Muskelkater, ist aber gut so.

Leider sitze ich im Speisesaal an einem echten 6er-Stoffeltisch. Der Herr rechts neben mir grüßt nur zwischen den Zähnen durch und nur notfalls wenn er zuerst gegrüßt wird. Ich habe den Test gemacht, sagt man selbst nichts, bringt ihn das nicht in soziale Verlegenheit, sondern seine Welt ist wunderbar in Ordnung. Auch seine Lebenseinstellung wird schnell deutlich, er spricht nur auf direkte Fragen in negierenden Einsatzantworten. Fragt die Servierdame “Soll ich den Hauptgang bringen?” sagt er “Wenn es sein muss”. Fragt man “Haben Sie einen schönen Ausflug gehabt?” bekommt man ein “Hätte langweiliger sein können”. Lediglich das Essen kommentiert er im Einzelnen und ungefragt, aber ohne direkte Richtung. Gestern ging er voll aus sich heraus und legte in der Tischmitte ein begeistertes “Könnte schlechter sein” ab.

Links neben mir sitzt ein Pilot der Lufthansa, der laut Arbeitsvertrag alle zwei Jahre für drei Wochen eine Kur machen kann. Macht er. Nein, die jungen Kollegen würden das nicht mehr bekommen im Arbeitsvertrag, aber das sei ja auch okay so. Die seien ja noch jung. Außerdem, er hätte nach dieser noch drei Kuren und dann Rente. Immerhin, er spricht, aber ehrlich, ich weiß jetzt detailliert welche Lasten der Zeppelin bewegen konnte, in Tonnen mit zwei Stellen hinter dem Komma. In einem Anfall von Gegeninteresse habe ich gefragt, ob er kürzlich im Zeppelinmuseum in Friedrichshafen war und sich das gemerkt habe. “Nein” meinte er, “er sei dort vor zwei Jahren gewesen und hätte sich ein Buch gekauft. Da würde man sich sowas halt merken”.

Gegenüber sitzen zwei Freundinnen. Nehme ich an. Eigentlich wollte ich das mal fragen, ob sie gemeinsam angereist sind oder sich hier kennengelernt haben, aber selbst einfache Fragen, die sie aus ihrer abgeschotteten Zweisamkeit reißen, schrecken sie auf. Meine Frage, ob sie mit dem Fahrrad schon nach Stein am Rhein gefahren seinen, liess sie zusammenzucken, geradezu mit einer fließenden Bewegung drückten sie die Schultern aneinander und sagten großäugig “Nein”.

Dann haben wir noch einen alleinreisenden Herrn, der mich erst Hoffnung schöpfen ließ. Etwas älter, Typ Theaterabo und Kultur, vielleicht ein Kandidat für einen gemeinsamen Ausflug ins Stadttheater Konstanz? Auf jeden Fall scheint er geheime Kommunikationsregeln zu haben. Er spricht bei jedem zweiten Aufeinandertreffen. Er hat sich bei zwei Vorträgen schon willentlich neben mich gesetzt und ich kenne zumindest seine Krankengeschichte, beim Ausflug nach Meersburg mit begleitendem Kunsthistoriker sass er ohne zu grüßen im 8er-Bus und wir haben drei Stunden kein Wort gewechselt. Dann kann es sein, dass er mich beim Abendessen plötzlich anspricht, dann ganz schnell spricht und fast über sich selbst erstaunt wirkt. Mitten im Thema steht er auf und holt sich am Buffet einen Salat und schaut bei der Rückkehr nur noch wortlos in seinen Teller. Ich nehme an, er hat ganz andere Probleme als mich.

Ehrlich, ich nehme jetzt manchmal schon etwas zum Lesen mit an den Tisch und hoffe auf den Wechsel wenn Einige wieder abreisen. Wo arbeiten diese Menschen? Im Keller? Da funktionieren ja die simpelsten Formen der Höflichkeit nicht? Ach, was mache ich mir einen Kopf. Abgrenzung, Mantra, Abgrenzung…

Abgesehen davon, das Wetter ist wunderbar und ich habe auch schon schöne Dinge unternommen. Meersburg wie gesagt, wandern auf der Höri, Konstanz (zweimal), Friedrichshafen, Stein am Rhein, heute war ich im Kino, ja.

Habe beim Kulturausflug aus einer Nachbarklinik eine ganz nette Mainzerin kennengelernt, die unternehmungslustig aber nicht partysüchtig ist. Sie verzweifelt als einzige Frau an einem Tisch mit Radsportlern, die nur ein Thema kennen. Zum Glück hat sie mich angesprochen, wir haben eine Gemeinschaft gegründet, bereit sich zu erweitern und so oder so froh sich gefunden zu haben.

Hier noch einige Impressionen, eine gute Nacht allerseits und ganz liebe Grüße

S.

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Traumhaft – Blick von der Höri bei Horn auf den See

 

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Die Imperia von Peter Lenk, ihr erinnert euch noch an den Skandal? Sogar aus der Erzdiözese Freiburg kam Protest, aber die freizügige Statue blieb stehen, weil damals auf DB-Gelände und die Politik war machtlos. Heute das Wahrzeichen von Konstanz

 

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Das “Konzil” direkt am See – erstaunlich, nicht billig aber das Preis-Leistungs-Verhältnis geht wirklich in Ordnung. Hier gehen sogar Konstanzer essen, sehr leckerer Fisch, ringsherum der Trubel des Fährhafens, meditteraner Flair mit tollem Ausblick, seht selbst:

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Saibling auf Blattspinat mit Spargel und Dampfkartoffeln, ich bekomme aus der Erinnerung noch einen Wassersturz, ehrlich, die Hollondaise klammerte sich einfach an das Essen, ich konnte sie nicht weglassen und außerdem sind wir nur gelaufen und ich habe kein Eis gegessen den ganzen Tag

 

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Mehr Konstanz im Leben, haha, wegen mir

 

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Meersburg, das Weingut vom Hafen gesehen

 

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Noch ein Peter Lenk in Meersburg, einfach wunderbar, Anspielungen von Annette von Droste-Hülshoff bis Exorzismus, unbedingt genauer hinsehen

 

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Kitsch überm Punkt, die Mühle in Meersburg direkt in der Altstadt

 

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Und Meersburg von oben vom neuen Schloss aus betrachtet

 

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Offene Türen – hier das Kloster St. Georg in Stein am Rhein (CH)

 

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Blick von der Burgruine auf Stein am Rhein (CH). Hier fließt der Untersee in den Rhein, die Stadt gelangte zu Reichtum da früher an dieser Engstelle die Güter verladen werden mussten. Heute ein Postkartenidyll mit schweizer Preisen, aber schön

 

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Auch das Springen von Brücken erfordert gesunden Menschenverstand

 

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Total goldig, es gibt einen privaten Kinoclub in Radolfzell. Heute gab es “Django Unchained”, in Freiburg immer verpasst, hier endlich gesehen im lila Plüschsessel, die Reihen sind so weit, man kann die Beine ausstrecken, es gibt Getränke nebenher, Eintrittspreis 5,- Euro. Heißt auch passenderweise “Nostalgiekino”. Den nächsten Film in zwei Wochen schaffe ich noch, freu, ist dann “Anleitung zum Unglücklichsein”

 

Die zweite Woche – 18.06.2013

Ihr Lieben,

so, Zwischenstand. Habe den kleinen Fehler gemacht zu sagen, dass ich noch etwas mehr Belastung vertragen kann. Wattzahl erhöht, Taktzahl erhöht, habe jeden Tag vier Sporteinheiten, dazu Entspannungstraining, therapeutisches Wandern, Vorträge … aber das Wetter ist schön und ich schaffe noch die ein oder andere Radtour (im Seniorentempo und mit viel Muskelkatergejammer) um den See. Na gut, manchmal auch mit Zug und so … kommt auf das Ziel an.

Wir haben immer noch Hochwasser und die Schnakenplage ist immens, zumal ich mitten im Naturschutzgebiet lebe, was hier schlüpft wird nicht bekämpft und ist hungrig.

Die gute Nachricht: Nehme nur noch die Hälfte der Medikamente, mit denen ich angereist bin, zwischendrin geht mir die Pumpe, aber am Rest arbeiten wir. Die Sorge: die Übersetzung in den Alltag.

Ich erspare euch hier die ganzen medizinischen Details und ich zeige euch einfach wieder ein paar schöne Bilder von Unternehmungen.

Ganz lieben Gruß, S.

 Überlingen

Der Bodenseereiter-Brunnen in Überlingen, man erkennt die Handschrift, auch hier war wieder Peter Lenk am Werk. Der mürrische Reiter auf dem sperrigen Gaul stellt Martin Walser dar, der in Überlingen lebt. Er zeigte sich betroffen und noch Jahre später unversöhnlich „Da wohnt man 30 Jahre in einer Stadt, und dann stellen sie einfach so etwas auf.“ Sein Kommentar

Der Bodenseereiter-Brunnen in Überlingen, man erkennt die Handschrift, auch hier war wieder Peter Lenk am Werk. Der mürrische Reiter auf dem sperrigen Gaul stellt Martin Walser dar, der in Überlingen lebt. Er zeigte sich betroffen und noch Jahre später unversöhnlich „Da wohnt man 30 Jahre in einer Stadt, und dann stellen sie einfach so etwas auf.“
Sein Kommentar

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Und Elvis lebt doch, am Bodensee

 

Der Grüne Baum in Moos – eine unbedingte Empfehlung

Immer samstags gehe ich Bodenseefisch essen. Da ist in der Klinik Eintopftag und man muss sich ja auch auf etwas freuen. Inzwischen vertrage ich aber nur noch zwei kleine Gänge und im Moment kommt mir alles ein wenig salzig vor. Und das mir, die ich normalerweise Maggi aufs Brot träufele. Aber jetzt schaut mal hier, wenn ihr in der Gegend seid geht hier essen, ich fand es total lecker, sehr nette Mitarbeiter und Wirtsleute. Die Lage ist leider ein wenig an der Straße, aber die Terasse ist ummauert und der hintere Innenraum ist licht, hell und mückenfrei.

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Ein Petrusteller … gemischte Fischvorspeisen, alle lecker. Und das knusprige, noch warme Emmerbrot ist nicht im Bild

 

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Die Fischsuppe ist ein Traum, mit Grana, Rouille und geröstetem Weißbrot. Danach konnte ich leider schon nicht mehr …

 

Die Pfahlbauten in Unteruhldingen

das größte Freilichtmuseum in Europa

Ja, okay, wahrscheinlich war hier jeder schon mal, nur eben ich nicht bis jetzt. Und ehrlich, ich fand es toll. Auch wenn sich unsere europäischen Nachbarn sicher wegschmeißen wenn sie die Organisation dieser Anlage sehen. Auf zugegeben kleinstem Raum werden hier im Jahr knapp 300.000 Besucher begrüßt. Und irgendwie müssen die geordnet da durch. Also hat man an den Anfang eine Multimediaschau gebaut, vor dem Start in 30er-Gruppen hängt eine digitale Anzeigetafel die sagt wo man ist, was für einen Tag wir haben und vor allem die die Sekunden runterzählt bevor die erste Türe aufgeht. Das ist sehr rücksichtsvoll den eigenen Landsleuten gegenüber, wir haben hier in der Herzklinik Menschen, die bei den kleinsten Abweichungen Schnappatmung bekommen (ich habe mich tatsächlich auf dem Ergometer schon mal freiwillig umgesetzt, weil ein älterer Herr hyperventiliert hat, weil ich auf seinem Rad Nummer 5  von 14 saß). Die italiensichen und spanischen Besucher wundern sich sicher. Dann geht die erste Türe auf, Gruppe rein, kleine Päsentation, vorne Klappe auf, Gruppe weiter, Klappe zu, und so geht es durch drei Räume, die einen einstimmen sollen. Aber wenn sich dann am Ende der Blick auf die Pfahlbauten öffnet wird es wirklich interessant.

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Ein Wehrdorf … das Hinterland war damals wild und undurchdringlich, die Handelswege verliefen wie z.B. im heutigen Amazonasgebiet entlang der Wasserwege, andere Straßen gab es nicht. Durch die hervorragende Lage an der Wasserstraße war die Siedlung wohlhabend, eine Palisade schützte sie.

 

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Ausblick durch die Vergangenheit auf den See von heute, fast wirkt die Zeit stehen geblieben

 

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Die Segelboote im Hintergrund halten einen in der Gegenwart

 

Mediterrane Lehrküche – 19.06.2013

Damit der Schwung daheim erhalten bleibt, gehe ich jetzt dienstags in die Küche und lasse mir neue Kniffe fernab der badischen Kochart beibringen.

Das machen Iris Späth-Schönmetzler (Hauswirtschaftsleiterin) und Karin Fredeke (Köchin) sehr charmant und nahe an der Realität “Ich sag jetzt mal, wenn ich Luscht auf Schokolade hab, will ich au kei Obscht, aber Hälfte Schoki, Hälfte Obscht hinterher geht ja au mal” kennt Frau Fredeke das Leben.

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Das sind sie, Frau Fredeke rechts im Bild, Frau Späth-Schönmetzler links. In Realität haben sie viel netter geschaut, aber da die Damen immer am rumsausen waren, ist das das einzig scharfe Bild.

 

Hier das Rezept für die Gemüsepuffer (2 Portionen):

250g geraspeltes Gemüse (Zucchini, Karotten, Kohlrabi, Sellerie, vieles mehr und Mischungen daraus)

2 Eier

50 g (Weizen)vollkornmehl

20 g Käse, 30% F.i.Tr., gerieben

10 g Feinwürzmittel (Hefebasis ohne Glutamat aus dem Reformhaus, Pfeffer, Knoblauch etc.)

1 Bund Schnittlauch (oder frische Kräuter nach Wahl), fein geschnitten

1 Hauch Pflanzenöl

Alle Zutaten vermischen und die Masse ca. 10 Minuten ausquellen lassen. Die Pfanne (Teflon, beschichtet, schwerer Boden, plan auf dem Herd) nur mit Öl auspinseln, jew. 2 EL der Masse für 1 Puffer in die Pfanne geben und von beiden Seiten braun braten.

1 Stück enthält ca. 75 kcal, je drei Stück pro Person plus z.B. Salat

 

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Dazu gab es noch eine leichte Gemüsequiche und absolut fettfrei gebratenes Fleisch als Tipp

Weiße Salatsauce:

200g Joghurt, 3,5% Fett

200g Dickmilch, 3,5% Fett

250 ml Wasser

2 EL Essig

2 TL frische Feinwürzmittel (s.o.)

Frische Kräuter

etwas Süßstoff

Alle Zutaten verrühren. Ohne Kräuter hält sich die Salatsauce im Kühlschrank ca. 4 Tage, mit Kräutern 2 Tage.

Varianten:

1 EL Senf + frischen Dill

1 EL Meerrettich + frische Petersilie

1 EL Ajvar + frischer Schnittlauch

2 EL Tomatenwürfel + frisches Basilikum

1 Portion (kleine Kelle) enthält ca. 40 kcal

 

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Salatsosse lecker in allen Varianten

Die dritte Woche – 23.06.2013

Puh, so viel zu erzählen. Also, schauen wir mal. Heute ist düstere Stimmung, am See, nicht bei mir, Schlampertag …

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Heute kein Badewetter, stürmisch und immer noch Hochwasser. Na gut, Lese- und Waschtag

 

Splitter: Jeden Morgen liegt bei uns ein Faltblatt auf dem Tisch mit den freiwilligen Kursen des Tages, der Wettervorhersage, einer sinnlosen Bauernregel (Durch Juniwind aus Norden, ist noch nichts verdorben worden) und einem “weisen” Spruch. Heute: “Wir gehen mit dieser Welt um, als hätten wir eine zweite im Kofferraum”. Zitat von Jane Fonda. Aha. Beim zweiten Nachdenken hätte ich fast den Kaffee ausgeprustet. Müsste keine Amerikanerin sein. Man hat die zweite nicht im Fahrradkörbchen, oder eleganter gesagt in der Hinterhand. Nein, Kofferraum vom Auto muss schon sein.

Beobachtungen: Der Speisesaal ist schon ein Hort der Merkwürdigkeiten. Mir fällt hier auf, wie gut gefiltert mein Leben in Freiburg ist. Auf der Arbeit habe ich derzeit Glück und obwohl wir ein bunt gewürfelter Haufen sind, verstehen sich die meisten von uns im Mittelteil gut. Und privat kommen manche Menschen einfach nicht vor, denn auf Grobheit, Schuldzuweiser, Überhebliche, hilflos Fordernde (ich bitte die Abgrenzung zu Menschen in Not zu beachten, ich meine die “Ich weiß nicht was ich machen soll, was meinst denn du, ach so, machst du es dann gleich noch für mich”-Typen) und sonstige Holzknüppel habe ich keine Lust.

Aber in so einen Speisesaal könnte ich mich mit diesem kleinen Netbook setzen und einfach alles was ich sehe vor mich hintippen. Heute am Sonntag ist Hauptbesuchstag, da ist es noch besser, denn nun sieht man mal die Partner der Leute, mit denen man die ganze Woche Sport gemacht hat.

Herrlich, meine heutige Lieblingsunterhaltung vom Nachbartisch, kann den Dialekt nicht einordnen, irgendwie Mannheimerisch, stellt es euch so nasal in die Länge gezogen vor, er zu ihr: “Herrjeh, du verstehsch mich ned, jetzt hör mir doch ammol zu wennde was schwätze duhsch”.

 

Zum Glück gibt es meine Kurehe (in Abwandlung der Büroehe und Kurschatten wäre jetzt auch wieder vefänglich). Der Prosecco war nur eine Ausnahme ist sonst gar nicht ihre Art, die Süße *zwinker

Zum Glück gibt es meine Kurehe (in Abwandlung der Büroehe und Kurschatten wäre jetzt auch wieder vefänglich). Der Prosecco war nur eine Ausnahme ist sonst gar nicht ihre Art, die Süße *zwinker

 

Medizinisches: Hatte jetzt einige Tage Schwierigkeiten, Betablocker ganz weg und ersetzt, ein paar Tage extremer innerer Unruhe mit wenig Schlaf und das Glück, es laufen lassen zu können. Nach drei Tagen und einigen Messungen die Tatsache, dass ich mich auch so komisch fühle, weil mein Blutdruck runter ist. Nach Jahren Pumpe von 160/100 fühlt sich die Normalität irgendwie krank an. Jetzt wird auch das besser. Dazu Schwierigkeiten mit dem Magen, der hat einen Rohkostkoller, muss er im Moment aber noch durch. Insgesamt alles im grünen Bereich.

Zum Sport meinte der hiesige Oberarzt im Vortrag, man solle ihn an den meisten Tagen der Woche (aha, wie verschwurbelt, nach Adam Riese also mindestens 4) betreiben, ideal sei Ausdauersport wie Radfahren, Laufen, Wandern, Schwimmen etc.. Immerhin sei der menschliche Körper für eine tägliche Gehstrecke von 25 bis 30 Kilometer gebaut und der Durchschnitt würde heute nur noch 0,8 km am Tag zurücklegen, meistens auf dem Weg zur Kaffeemaschine.

“Nein” meinte er auf Nachfrage zu seiner Liste der geeigneten Sportarten, die er an die Wand projeziert hatte “Ballsport ist nicht geeignet. Mal ehrlich meine Herren, ich bin auch Träger des Y-Chromosoms und habe jahrelang eine Herzsportgruppe geleitet. Erwachsene Männer über 100 Kilo Lebendgewicht verwandeln sich 4 Wochen nach ihrem Herzinfarkt in Kampfmaschinen, wenn es etwas zu gewinnen gibt”. Die Herren sollen doch bitte Sportarten wählen, bei denen sie sich auf ihre Leistungsgrenzen einstellen und diese zugeben können. *kicher

Was habe ich sonst diese Woche getrieben? Lehrküche habe ich getrennt geschrieben, das Kino am Freitag habe ich hier unter Kultur gepostet. Außer meinem Sportprogramm und vielen Vorträgen bin ich mal ins Örtchen geradelt, mal am See gelegen. Heute Abend wollten wir eigentlich ins Theater Konstanz, aber morgen heißt es auch hier um 6.30 Uhr aufstehen, also habe ich geschwächelt und bleibe “daheim”.

Gestern haben wir einen Samstagsausflug von Radolfzell nach Lindau gemacht, mit dem Auto und ganz vielen Zwischenstationen. Nicht alles habe ich fotografiert (ja, ich weiß, und wieder war ich ausgestiegen und losgelaufen und hatte Handy und Fotoapparat im Auto liegen lassen), aber hier eine Auswahl:

Die Barockkirche Birnau erhebt sich markant am Ufer des Überlinger Sees. Hier lohnt sich schon wegen der Aussicht auf dem Vorplatz ein Zwischenstop

Die Barockkirche Birnau erhebt sich markant am Ufer des Überlinger Sees. Hier lohnt sich schon wegen der Aussicht auf dem Vorplatz ein Zwischenstop

 

Eine Beichtglocke - wohlorganisiertes Seelenheil

Eine Beichtglocke – wohlorganisiertes Seelenheil

 

Schloss Montfort in Langenargen, übrigens ein weiteres Rentnerparadies am Bodensee. Hier stand urprünglich die Wasserburg Argen der Grafen von Montford, nach den Zerstörungen im 30jäjrigen Krieg wurde diese als Lustschloss neu gebaut. Heute die location für Hochzeiten, direkt am Seeufer mit herrlicher Aussicht

Schloss Montfort in Langenargen, übrigens ein weiteres Rentnerparadies am Bodensee. Hier stand urprünglich die Wasserburg Argen der Grafen von Montford, nach den Zerstörungen im 30jäjrigen Krieg wurde diese als Lustschloss neu gebaut. Heute die location für Hochzeiten, direkt am Seeufer mit herrlicher Aussicht

 

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Der Hafen in Lindau, die Fähre der weissen Flotte rangiert sich durch Löwe und Leuchtturm … Lindau ist hinreißend, trotz des Trubels

 

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Halbschatten in Lindaus Gassen mit entzückenden Geschäften voller Krimskrams, den keiner braucht

 

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Markdorf in den Bergen über dem Bodensee. Hier lebten die Bischöfe von Konstanz trefflich vom Weinbau. Heute gibt es eine kleine Altstadt, viel Shopping und Industrie und den Gehrenberg im Hintergrund der mit dem Slogan wirbt “Gehrenberg, bei uns ist der Bodensee -mit Abstand- am schönsten”

 

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Abendstimmung am Bodensee mit Vollmond vom Gehrenberg aus betrachtet

 

Die letzte Woche – 30.06.2013

Die Zeit hier neigt sich dem Ende zu. Obwohl. Ich kann/soll noch zwei Wochen bleiben, die guten Erfolge sollen sich fortsetzen und festsetzen, Aterien und Herzrythmus nochmals überprüft werden. Einerseits verlockend, weiß ich doch, dass mich der Alltag daheim schnell einsaugen wird. Für meine Abreise bekomme ich Auflagen zu Lebensführung und Sportprogramm, noch ist es mir ein Rätsel, wie diese umgesetzt werden sollen. Ich werde wohl meine Prioritäten überprüfen müssen.

Da ich das früher oder später sowieso anpacken muss beschliesse ich, das gleich zu machen, Dienstag ist Heimreise.

Was habe ich diese Woche gemacht? Hm. Meine Kurehe ist abgereist, ich habe zwar hier mal geplaudert, dort einen gemeinsamen Kaffee getrunken, aber eigentlich keine Lust, mich für ein paar Tage nochmal neu anzuschließen. Unterm Strich eben doch ein geselliger Einzelgänger.

Es war schlechtes Wetter. Habe meinen Sport gemacht. Wäsche. Einkaufen. Extrasport. Kurse. Schlafen. Lesen. Hatte kurz Heimweh. Danach wieder geschlafen.

Montag war ich noch beim Rheinfall in Schaffhausen, durch das Hochwasser soll der im Moment besonders spektakulär sein. Ich zitiere die offiziellen Zahlen: Der Rheinfall ist ca. 15.000 Jahre alt (erdgeschichtlich jetzt nicht so alt, gell? Wie das wohl festgelegt wird?), 150 Meter hoch und 23 Meter breit. Durchfluss zwischen 250.000 Liter pro Sekunde im Winter und 600.000 Liter pro Sekunde im Sommer.

Ja, war schon viel Wasser da, aber eigentlich fand ich es ein bissi langweilig, in der Umgebung des Falles stehen Bausünden die die Perspektive verschandeln und Schaffhausen selbst gefällt mir nicht (Verkehrsknoten, zu viel Durchgangsverkehr und Unruhe). Aber ich bin da gewesen …

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Es war schon ein Tosen und Brausen … die Hochhäuser am Horizont schmälerten das Naturerlebnis

 

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Die Strömung war gewaltig, das Boot kam nicht näher an den Wasserfall

 

Heute kam dann endlich die Sonne raus, da habe ich gleich den Rucksack gepackt und den Hohentwiel in Angriff genommen. Das wollte ich schon die ganzen Wochen und habe aus der Ferne misstrauisch auf die Höhe geschielt. Aber nun, frisch angepackt, schließlich ist am 10. August St. Laurentius am Feldberg und das will ich diesmal wie ein Rehlein (*hüstel) machen.

Außerdem verbinden mich sentimentale Erinnerungen mit dem Hohentwiel, hier habe ich beim jährlichen Festival in früheren Jahren noch Dizzie Gillespie und Mercedes Sosa live gehört. Und da bin ich ja auch hochgekommen.

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Die Burg wurde nie im Kampf bezwungen, aber 1801 von Napoleon leider zur eigenen Sicherheit geschliffen

 

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Insgesamt hat die Anlage beeindruckende Ausmaße, zumindest wenn man sich von der Schnappatmung erholt hat und es wieder würdigen kann

 

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Burg mit Aussicht, im Hintergrund funkelt die Mainau im See, im Vordergrund allerdings die Industriestadt Singen

 

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In Ludwigshafen war Hafenfest, kleiner Bummel in der Sonne

 

Zum guten Ende noch eine Beobachtung im Ergometerraum. Manchmal sind es die einfachsten Dinge, die den Unterschied zwischen Männern und Frauen zeigen. Einen Unterschied, den ich jahrelang mit der Aussage geleugnet habe, dass die Unterschiede zwischen allen Frauen untereinander sicher mindestens genau so groß seien wie zwischen Männern und Frauen insgesamt. Aber mal ehrlich, es gibt ihn eben doch.

Also, Ergometerraum, alle Fahrräder im Halbkreis um den zentralen Computer angeordnet, hinter dem die Schwestern unser EKG unter Belastung überwachen. Dabei müssen sie regelmäßig jeden einzeln fragen, ob alles okay ist. Viele Männer können nicht einfach “ja” sagen, sondern müssen noch einen flotten Spruch nachschieben. Nun gut.

Freitag haben wir Besuch, einer der Fitnesstrainer soll am Computer eingearbeitet werden. Unpassenderweise ruft er bei Beginn der Radelgruppe in einer Herz- Kreislaufklinik gleich mal ein “Los gehts, gebt alles” in die Runde. Im weiteren Verlauf hat einer der Herren Probleme, will aber partout die Wattzahl nicht runtergestellt haben, die Schwester bietet es ihm sehr nett an. Ruft der Fitnesstrainer “Ha, 90 Watt, des tät ich ned mache”. Schwester: “Jetzt hör doch emmal auf, du musch doch die Leut motivieren”. Sagt er ganz verstört “Ha, des isch doch Motivation wenn ers macht und ich ned”.

Und ich glaube das ist genau der Unterschied. Die Frau hat sich unter Motivation wahrscheinlich Anteilnahme und Zuspruch vorgestellt, für den Mann war Motivation die Aussicht auf besser sein. Diese zwei Sprachen können im Geschäftsleben ja nicht funktionieren und das Schlimme ist, ich bin auch so.

Weinseminar im Scheffelschlösschen – 01.07.2013

 

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Im Scheffelschlösschen auf der Halbinsel Mettnau verbrachte der Dichter Joseph Victor von Scheffel seit 1869 mit seiner Familie den Sommer. Hier fand unser Weinseminar statt, geschickterweise war der Heimweg zu Fuß als Spaziergang möglich

 

Das möchte ich nicht unterschlagen, meditterane Schonkost hin oder her. Oder wie ein anderer Teilnehmer meinte: “Mein Arzt hat gsagt, ich soll alle Seminare machen und hier bin ich”. Der Arzt meinte zwar sicherlich die Seminare “Blutdruck 2″ und “Ernährung 1″, aber wer weiß schon so im Einzelnen was zur Heilung beiträgt.

Gestartet haben wir mit einem Riechtest, wir bekamen ein Blatt mit 15 Zahlen und 15 Fläschchen mit Duftessenzen. Nun sollten wir erkennen, was wir da riechen und an einigen Dingen bin ich echt gescheitert. Erkannt habe ich den Grünen Pfeffer, die Vanille und den Rauch. Dann wurde es schwer, ich konnte tatsächlich den Duft von Erdbeere, Kirsche und Himbeere nicht wirklich abgrenzen.

Mit dieser Sensibilisierung fingen wir dann an zu probieren.

 

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Zugegeben, das Gelächter nahm im Verlauf der Weinprobe stetig zu

Wenn man hier um den See unterwegs ist bekommt man überall Wein aus unserer Region, meistens vom Kaiserstuhl. Das fand ich zuerst seltsam, sieht man hier doch allenthalb Reben, aber zusammen genommen gibt es am Bodensee nur 600 ha Rebfläche, also nicht viel (zum Vergleich, allein der Kaiserstuhl hat  knapp 4.200 ha).

Hier die Weine die ich mir notiert habe, der wirkliche Favorit war der Italiener am Ende, herrjeh war der gut:

Hagnauer Burgstall, Grauburgunder Trocken, 2011, 12,5%

2012er Riesling trocken (Bodensee)    Markgraf von Baden, Gutsabfüllung Schloss Salem, Riesling, 12%

Chianti Classico D.O.C.G. "Solatio del Tani" Rotwein Solatio del Tani, Chianti Classico D.O.C.G, 2006, 13%