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Juni 2013

in Kultur – Allover, Kultur – Bücher

Hilary Mantel – Falken

Produkt-Information

Bereits für Ihren Roman „Wölfe“ hat Hilary Mantel 2009 den Booker-Preis, den wichtigsten britischen Literaturpreis, gewonnen. Mit der Fortsetzung „Falken“ hat sie das 2012 wiederholt und gehört somit zur erlauchten Gruppe dreier Autoren, denen das bisher gelang. Aber auch wenn es geschichtlich eine Fortsetzung ist, man muss „Wölfe“ nicht gelesen haben um an „Falken“ sein Vergnügen zu haben.

Okay, jetzt nicht abschrecken lassen „Mensch, kenn ich doch schon“, es geht im weitesten Sinne um Henry VIII. Ja, auch seine Frauengeschichten. Bekannt nach dem englischen Abzählreim geköpft – geschieden – gestorben – geköpft – geschieden – überlebt (divorced, beheaded, died, divorced, beheaded, survived).

Wahrscheinlich weil jeder die Gründzüge der Geschichte kennt, kann sich der Roman Langsamkeit gönnen und Charaktere und Motivationen entwickeln. Die fast 500 Seiten seiner Handlung interpretieren die Geschehnisse von  Herbst 1535 bis Sommer 1536 am englischen Hofe.

Ich fange an zu lesen und das  fühlt sich zuerst an, als würde man als später Gast einen Raum betreten, in dem sich schon Gruppen gebildet haben, die in angeregtem Gespräch stehen. Man stellt sich dazu und kann aus dem Gesagten den Verlauf und das Thema ableiten und plötzlich ist man mittendrin. Keine schwülstige Einleitung, kein „was bisher geschah“ sondern mitten hinein in ein paar Monate des Lebens und Denkens von Thomas Cromwell.

Anne Boleyn ist englische Königin, gegen alle Widerstände, zu einem hohen Preis. Doch schon auf den ersten Seiten spürt man das Damoklesschwert, das sich vedichtende Unheil, der König ist unglücklich, noch ist die Richtung und der Ausgang ungewiss.

Auch wenn wir wissen wie es kommt, es ist ungeheur spannend, wie Hilary Mantel die unterschiedlichen Beweggründe und die Banalität des Machtkampfes beleuchtet, an dessen Ende die Königin tot ist, lang lebe die Königin.

Lest es, es ist ungemein kurzweilig. Obwohl zum Genre des historischen Romans gehörend, bleiben wir hier verschont von blumigen Romanzen und hölzernen Geschichtsentwicklungen.

Die Protagonisten leben in einer unsicheren Welt, in der die Liebsten jederzeit der kleinsten Verletzung erliegen und nur zwei von 20 Kindern das Heiratsalter erreichen. Das Schicksal kann hart sein und geschmeidig führen die Beteiligten Ihren Tanz um den absoluten Monarchen auf,  in dem die Vernichtung eines Lebens oft nur eine Frage der Gelegenheit ist.

in Kultur – Musik

Kraftwerk Revival

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Bei uns daheim lief zum Abendessen immer SWR3 und es gab nur eine Band, die meinen Vater noch mehr nerven konnte als Kraftwerk, das war „DaDaDa“ von Trio. Aber dann kamen auch schon die mechanischen Klänge von Model und Autobahn. Dahinter kam dann der Rest der NDW. Jaha, ich weiheiß, Kraftwerk ist nicht NDW, war viel früher, iss ja gut. Lief trotzdem zeitgleich im Radio.

Okay, in ihrer Schlichtheit ist diese Musik ungeheuer einprägsam, man braucht nur zwei Akkorde für den Wiedererkennungseffekt, aber gänzlich an mir vorbeigegangen ist bis zu dieser Sendung der neue Kraftwerk-Hype, lief wohl zum Tourbeginn im Januar in jeder Kultursendung des öffentlich-rechtlichen, guggt mal

ZDF aspekte Mythos Kraftwerk

Und jetzt der Hammer, wisst ihr wo die in diesem Jahr auftreten? Am 17. Juli beim Jazzfestival in Montreux … da haben die Düsseldorfer Jungs einen legendären Weg hingelegt.

Übrigens gibt es noch Karten zwischen 90 und 240 CHF.

Zur Erinnerung, so klingt das dann, hier „das Model“ …

in Kultur – Allover

Anleitung zum Unglücklichsein – im Universum-Kino Radolfzell

Produkt-Information

Also, ich habe ja schon in einem anderen Beitrag vom Radolfzeller Universum geschwärmt, einer privaten Kinoinitiative hier am Ort (siehe Bild unten). Beim ersten Besuch gab es „Django Unchained“ im lila Plüschsessel, ein Kinofest. Die Vorschau verhieß dort auch Gutes für diesen Film, so freute ich mich, als ich mich 14 Tage später in den Sitz kuschelte und der Film anfing. Ich war gespannt, wie man die Geschichtensammlungen bzw. Lehrstücke dieses Buches verfilmt hat.

Am Ende mein Fazit: Zu viel, zu gewollt. Tiffany Blechschmidt (ohjeh, was für ein Name), die Turnschuhe zum Abendkleid trägt (boah, wie individuell), zu Zwängen neigt, total verträumt ist, aber einen sauteuren Laden mit versponnenen Angestellten wuppt, findet nach zu wenig oder schlechtem Sex* (*vorzeitiger Samenerguss, war ja klar bei einem blöden Polizisten ohne Hirn, dass der im deutschen Kino nicht ficken kann. Ist ja auch zu doof zum Waffe putzen, erschießt sich selbst und hinterlässt etliche geschwängerte Freundinnen, wahrscheinlich aus dem Milieu, so wie die aussehen. Erstes Wunder: Wie wurden die schwanger bei dem Problem? Kriechspermien? Zweites Wunder: Warum heulen die dem Kerl am Grab hinterher?) das eigene Glück. Und natürlich nen Kerl. Klar, denn ohne wäre das ja kein Glück im Kino.

Außer der Geschichte mit dem Hammer und der grundsätzlichen Neigung des Menschen, sicherheitshalber in Befürchtungen verhaftet zu bleiben, habe ich das Buch nicht wiedererkannt. Nicht den knappen Witz, nicht die psychologische Intelligenz der Geschichten.

Schade um die Schauspieler. Schade um das Buch.

Gesammelt 070613 071

Die private Kinoinitiative Radolfzell, das Universum von innen. Bei dem Licht sieht man leider auch den vielen Platz und die lila Plüschsessel nicht richtig, auch meine liebe Begleitung im Vordergrund bleibt verschwommen. Hinten rechts die Bar, dort wo sich die Leute zusammenrotten.