Category

Kultur – Allover

in Kultur – Allover

Im Kino: Shaun das Schaf

,K1024_ShaundasSchaf_PL_Caravan_A3_rgb_300dpi_0

Heute mal etwas nur zum Spaß: Ich liebe Shaun das Schaf. Nun also endlich der Film. Natürlich habe auch ich mich gefragt, ob mit den Charakteren ein ganzer Film gefüllt werden kann, aber nachdem ich mir die Lachtränen abgewischt habe,  antworte ich mit einem vollen Ja.

Zur Geschichte: Tagein, tagaus derselbe Trott auf der Farm. Aufstehen, zur Weide latschen, zurücklatschen, schlafen, am nächsten Tag von vorne. Ab und an geschoren werden, dann wieder zur Weide latschen. Shaun will einfach mal Urlaub und macht einen verwegenen Plan. Der Farmer soll trickreich einen Tag im Wohnwagen durchschlafen, damit sich die Herde einen gemütlichen Tag im Haus machen kann. Die Ente lenkt Bitzer ab und für einen kurzen Moment sieht alles gut aus, aber wie immer, wenn Shaun einen Plan macht, ist das die Ruhe vor dem echten Chaos.

Dann startet eine richtige Screwball-Komödie. Natürlich macht sich der Wohnwagen selbstständig und rollt unaufhaltsam in die Stadt, weder Shaun und die Herde noch Bitzer können ihn aufhalten. Eine Verwicklung kommt zur nächsten, der Farmer erleidet Gedächtnisverlust und wird dank seiner Scherkenntnisse zum Starfrisör der Stadt, Bitzer wird vom gemeinen Tierfänger Trumper gefangen genommen und die Herde sucht mit allen Mitteln nach den Beiden.

Die ganze Geschichte ist mit so vielen liebevollen Details und lustigen Figuren ausgeschmückt, wenn Shirley, das Dickschaf, stecken bleibt, oder Timmy, das jüngste Herdenmitglied zur Tarnung wie ein Schäfchenrucksack auf den Rücken gebunden wird, man wird gar nicht fertig mit Schauen. Wer einen vergnüglichen Sonntagnachmittag erleben will, immer rein in den Film. Ich schaue ihn mir nochmal an und ich gehe wieder in die Kindervorstellung, das Gegacker der Kleinen war die Sahnehaube auf dem Spaß.

Achtung, Nebenwirkung! Summe immer noch die Erkennungsmelodie … Dadada, Dadada … hmhmhmhmh … Dadadada …

in Kultur – Allover

Im Kino: Stopping – Wie man die Welt anhält

Stopping_Plakat_Anzeigen

Hektik, Stress, Leistungsdruck und permanenter Einsatz: vier Menschen zwischen Berlin und London, die im Alltag stark gefordert sind, suchen die Stille und Ruhe der Meditation, um in ihrem Leben besser gewappnet zu sein. Im Rückzug auf sich selbst, in der Fokussierung auf das Elementare wollen sie die Kraft für Veränderungen finden.

Der Film begleitet sie zu ihren Kursen: Friedrich, ein Anästhesiearzt, fährt ins Allgäu und erlernt im Buddha-Haus Vipassana-Meditation, eine Praxis, die sich vor allem auf den Atem konzentriert. In London nimmt Dorothea, eine Lektorin in einem wissenschaftlichen Verlag, an einem achtwöchigen MBSR Kurs teil – eine Achtsamkeitsmeditation zur Reduktion von Stress. Uta, Mutter dreier Kinder, möchte gelassener mit ihren Kindern umgehen. Die anthroposophische Meditation öffnet ihr die Augen für das Lebendige in unserem Alltag. Nico, ein Theologe, sieht das Ganze eher sportlich. Bei einem Kurs im Kloster Schönböken nördlich von Lübeck übt er Zazen, dreimal täglich 90 Minuten lang.

Vier Menschen, vier Meditationstechniken – dieser ruhige und fließende Dokumentarfilm zeigt vier individuelle Wege zur Meditation. Dabei erhebt er nicht den Anspruch auf die ultimative Antwort nach der Frage, wie ein gutes und bewusstes Leben gelingen könne. Er macht aber Lust darauf, sich auf den Weg zu begeben, seinen eigenen Weg zu suchen, zum inneren Kern, zur Achtsamkeit mit sich selbst und zum Wohlwollen für die Welt.

Mein Fazit: Wer keine dezidierte Anleitung zur Meditation sucht, sondern sich einfach inspirieren lassen will für die eigene Reise, für den ist dieser Film ein Gewinn. Einlassen und anschauen…

in Kultur – Allover, Kultur – Bücher

Der Circle – Dave Eggers

TheCircle

Der Circle ist ein IT Science Fiction, der sich liest wie eine Mischung aus John Grishams „Die Firma“ und einer Stellenbeschreibung von Microsoft. Mae Holland, 24 Jahre alt, ergattert über eine Freundin einen Job in der Trendfirma Circle. Die digital Hipster haben facebook, Google und Co. längst in ihrer Bedeutung überflügelt, indem sie jeden Menschen mit einer unverwechselbaren Internetidentität ausstatten, mit der sich virtuell leben lässt.

Mit Begeisterung stürzt sich Mae in die neuen Aufgaben, hingerissen von Ruf und Einfluss der neuen Firma, den modernen und riesigen Firmengebäuden, den weitläufigen Parks und schicken Veranstaltungen. Mal spielen am Abend die angesagtesten Bands für die Mitarbeiter auf, dann wieder bereiten die besten Sterneköche das Mittagessen oder es lockt ein Musterraum mit kostenlosen Proben neuer Waren: Markenturnschuhe, Schmuck, Kosmetika, alles kann noch vor der Markteinführung kostenlos mitgenommen werden.
Der Circle umsorgt die Mitarbeiter mit einem Gesundheitsprogramm, bei dem über Sensoren permanent alle Körperdaten gescannt und in der firmeneigenen Cloud gespeichert werden. Natürlich zum Besten des Einzelnen.
Soziale Aktivitäten, die Beteiligung am Freizeitprogramm, die Arbeitsleistung; alles wird in Scores erfasst und bewertet, natürlich zum Besten der Gemeinschaft. Jeder Mitarbeiter kann jederzeit auf dem Firmengelände geortet werden, natürlich zur Förderung der Kommunikation.

Auch nach außen hat der Circle für jede Neuerung gute Argumente: Wer nichts zu verbergen hat, muss nicht auf Datenschutz bestehen. Mit dieser Argumentation führt der Circle z.B. die „Transparenz“ ein, die permanente Überwachung von Politikern, die künftig rund um die Uhr per Kamera Online von allen beobachtet werden können. Dies soll Korruption vermeiden. Wer sich dem widersetzt hat nach einiger Zeit keine Chance mehr, überhaupt gewählt zu werden. Der Tenor lautet: Wenn es keine Privatsphäre gibt, gibt es keinen Raum für Lügen und Kriminalität. Überwachung macht das Zusammenleben sicherer.

Die Arbeitsanforderung an Mae steigen schnell, doch kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Firmengelände, die kostenlose Krankenversicherung für ihre nicht mehr versicherbaren Eltern und die Aussicht auf Karriere lässt sie den Weg konsequent weiter beschreiten. Zunehmend verliert sie den Kontakt zur Außenwelt und zu ihren Eltern. Bei einem offiziellen Clearing nach einem kleinen Fehltritt (eine Szene, die wie aus der Scientology-Zentrale wirkt), wird Mae selbst „transparent“, nachdem man ihr den Slogan „Privates ist Diebstahl“ entlockt hat.

Nur ihre geheime Affäre mit „Kaldon“, einem Phantom auf dem Circle-Gelände, das sich als Untergrund-Rebell entpuppt, lässt Mae am Circle zweifeln…

Soweit der Plot, ohne finale Verwicklungen und das Ende zu verraten. Zu Beginn des Buches nervt mich Maes Naivität, mit der sie sich dem Schein hingibt. Ihre Unterwürfigkeit bei jeder Forderung ihres Arbeitgebers, sei es die eigene Überwachbarkeit, die Arbeitsmenge oder die Teilhabe an allen Aktivitäten und auch noch die Bereitschaft, sich für alles zu rechtfertigen, würden mich bei einem jungen und selbstbewussten Menschen erstaunen. Allerdings kann das an meiner Generation liegen, denn ich bin in einer Zeit groß geworden, in der es Arbeit gab, einen Feierabend und dann ein Privatleben.
Aber obwohl die Entwicklung der zunehmenden Selbstaufgabe absehbar ist, liest sich das Buch leicht und natürlich will ich nun wissen, wie es weitergeht. Hier sind viele Facetten aktueller Fragen zusammengekocht: Die Entwicklung moderner Arbeitswelten, die Diskussion um Datenschutz und Privatsphäre, die Macht weniger Internetfirmen, die Verlässlichkeit von Informationen und wie diese gesteuert werden können. Man wird das Buch nicht aus der Hand legen ohne sich danach hier und da an die Geschichte erinnert zu fühlen.

Lediglich die Idee, dies alles werde von einer einzigen Firma gesteuert ist ein bisschen sehr verschörungstheoretisch. Tatsächlich funktioniert die Praxis viel subtiler, indem sich gesellschaftliche Realitäten ändern, Menschen nach dem japanischen Modell mit ihren Firmen zu einem Lebensgefühl verschmelzen und Datenschutz vielleicht einmal eine Idee ist, der man nachtrauert wie einem schönen, aber ausgestorbenen Tier.

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-30820-4
Preis: 19,99

in Kultur – Allover, Kultur – Bücher

Die Nacht des Zorns – Fred Vargas

DieNachtDesZorns

Die Fortsetzung der Krimi-Kultserie mit Kommissar Adamsberg, dem erdigen Ermittler aus Béarn, der, inzwischen in Paris beheimatet, seine Heimat am Fuße der Pyrenäen in sich trägt. Er leitet das eigenwilligste Kommissariat der Stadt, ein Verschrobener unter Sonderlingen. Seine Fälle löst er mit einer irritierenden Mischung aus Langsamkeit und Intuition, seine Kollegen sind depressive Trinker mit Hochbegabung, Narkoleptiker, Naivlinge mit großem Herz. An Konflikten nicht arm entsteht aus dem Gemisch jedoch die Genialität, die Gegner entwaffnet und Kritiker in den eigenen Reihen mundtot macht.

Dabei begeht Adamsberg Fehler, betrügt immer wieder die Frau die er liebt, verletzt Menschen mit seiner Eigenart und kann doch nicht anders. Die Menschen wiederum, die einen Hang zu Zwischentönen haben, können sich der animalischen Intensität und der grundsätzlichen Liebenswürdigkeit des Adamsberg nicht entziehen.

Im neunten Band „Die Nacht des Zorns“ vermischen sich große und kleine Handlungsstränge und ergeben wieder ein buntes Bild. Ein erschöpfter Greis erstickt seine nörgelnde Ehefrau mit Baguette, ein Großindustrieller wird in seinem Auto verbrannt, eine Taube vor dem sicheren Tod gerettet und da ist auch noch Adamsbergs Sohn, von dem er nicht wusste und den er erst kennenlernen muss.  Und eigentlich dreht sich doch alles um eine Ermittlung in der Normandie, in der ein Mythos wieder aufersteht und für Gerechtigkeit sorgen soll. Eine Schattenarmee, das „Wütende Heer“, reitet seit Jahrhunderten und sühnt Verbrechen, die ungestraft sind. Eine Vision kündigt ihr Kommen an und bald darauf gibt es die ersten Toten. Können Adamsberg und seine Ermittler den Aberglauben entzaubern und den wahren Mörder finden?

Am Ende fügt sich, wie im Gehirn des Adamsberg, eins ins andere und die Lösung ist gefunden. Wie es genau gegangen ist, kann keiner sagen, aber alles ist logisch und passt.

Die Romane der Fred Vargas sind weit mehr als Krimiliteratur, die Ideen teilweise skurril, die Chraktere eigenwillig, der Plot dicht, die Sprache vergnüglich.

Wenn ich kleinlich sein will, gibt es einen Kritikpunkt. Die Figur des Adamsberg funktioniert so gut, dass er inzwischen etwas spitz stilisiert ist. Mehrfach wird sein verwaschener Blick, seine Eigenart, seine Unangepasstheit kultiviert, so dass ich mich darauf gestoßen fühle. Aber trotzdem, ein großes Lesespaß, der mir zwei gemütliche Abende beschert hat.

Aufbau Verlag
ISBN: 978-3-7466-2937-7
Preis: 9,99 € 

in Kultur – Allover

Im Kino: Exodus – Götter und Könige

See Trailer, visit YouTube

Samstagnachmittag, spontan stehe ich vor dem Kino, gerade fängt „Exodus“ in der neuen Verfilmung von Ridley Scott an. Warum nicht, dass die Vorstellung in 3D ist nehme ich in Kauf, obwohl es für Brillenträger kein Vergnügen ist, zwei Brillen auf einmal zu tragen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Sklaverei, Plagen, Exodus, 10 Gebote, gelobtes Land. Wenig neues zu erwarten in diesem Plot, allenfalls ein paar eingestrickte Gefühlsverwicklungen können Abwechslung bringen. Der Film nimmt seinen Lauf, Christian Bale ist Moses. Nunja. Eine Eiche von einem Mann, aber er wirkt immer so schrecklich humorlos, als ob er sich auch außerhalb seiner Rollen selbst niemals witzig finden könnte. Schon als Batman strahlte er eine einsame Tragik aus und dazu macht er immer den Eindruck, sich selbst in dieser Pose zu gefallen.

Die Bilder sind opulent wie erwartet, auch wenn Ramses und die Ägypter (samt Sigourney Weaver als Ramses Mutter) eher kostümiert wirken mit ihren kajalten Augen und dem wechselnden Kopfputz.

Dann, unvermeidlich wie der Schmerz wenn man sich die Zehen anstößt, taucht Ben Kingsley auf. Der Mann mit dem einen Gesichtsausdruck, der alle weisen und salbungsvollen Männer spielt, die im Kino zu vergeben sind. Um dann die Besetzungsparodie auf die Spitze zu treiben, wird Gottes Stimme von einem Kind gespielt, als Kompromiss zwischen der Unmöglichkeit Gott darzustellen und der Tristesse, eine Stimme als Stimme spielen zu lassen in einem so bildreichen Film.

Mein Fazit: Bildgewaltig, aber langweilig.

in Kultur – Allover, Kultur – Poetry Slam

Poetry Slam – Julia Engelmann

Vorweggesteller Nachtrag: Plötzlich war Julia Engelmann auf allen Kanälen. Natürlich nicht, weil ich dies hier geschrieben hatte, es ergab sich so. Die hohe Aufmerksamkeit in den Netzwerken brachte das TV auf den Plan und überall gab es Julia Engelmann.
Dann brach plötzlich die Gegenströmung los und es begann wiederum in den Kanälen ein regelrechtes Julia-Bashing. In einer emotional geführten Debatte wurde auf dem Text und leider auch auf der Person herumgehackt.
Es schien keine Trennung mehr zwischen Werk und Künstler zu geben, es wurde persönlich und ein einfaches „Mir gefällt es nicht“ genügte nicht mehr. Dabei scheint mir doch auch das ein Grundwert unseres Zusammenlebens, dass mir etwas gefallen kann, was jemand anderen nicht gefallen muss.
Und, uhhh, voll Retro, beide haben ein Recht auf eine eigene Meinung ohne entwürdigt zu werden.
Mir gefällt es noch immer und als Tipp: Wem es nicht gefällt, einfach kein zweites Mal anschauen.

 

Thumbnail

Julia Engelmann beim 5. Bielefelder Hörsaal-Slam 2013
Beeindruckend, die junge Frau, schaut mal rein, hat die Qualität für ein Poetry-Mantra, ein schöner Text zu Mut und Lebenssinn. Bei facebook tauchte dieser Film plötzlich auf allen Kanälen auf, der Text hat wohl in den meisten Menschen etwas angetickert und viele haben geteilt.

Vielleicht der Beginn einer Karriere durch Social Media? Habe mal bei YouTube gestöbert und auch frühere Texte von Julia Engelmann gefunden. Man sieht eine richtige Entwicklung, inhaltlich und im Auftritt. Bleibe gespannt, hier der Text:
Visit YouTube

„Du solltest jeden Tag wertschätzen, was du tust, denn schließlich tauscht du einen Tag Leben dafür ein“
Und noch der Song, auf den Sie sich bezieht (siehe auch Nr. 18_13 in der Kategorie „Song der Woche“):

Thumbnail
Visit YouTube

in Kultur – Allover

Gabriel Vetter – 29.11.13 im Vorderhaus Freiburg

Wir waren im letzten Jahr spontan und ohne Vorkenntnis bei Gabriel Vetter, auch damals im Vorderhaus, das Programm hieß vielversprechend „Menschsein ist heilbar“. Und tatsächlich hatten wir viel Vergnügen.

Gabriel Vetter ist ein -jawoll, das gibt es- schweizer Poetry Slammer. In Beggingen im Kanton Schaffhausen aufgewachsen, gewann er 2003 bei seinem ersten Auftritt an einem Poetry Slam in Schaffhausen auf Anhieb. 2004 wurde er beim größten Poetry Slam Europas, dem German International Poetry Slam in Stuttgart zum „Slammer des Jahres“. Weitere Preise und Veröffentlichungen folgten.

Heute lebt Gabriel Vetter in Winterthur und in Basel im Dreiländereck. In der Spielzeit 2012/2013 war er Hausautor am Theater Basel. Seit Januar 2012 ist Vetter als Satiriker mit „Vetters Töne“ beim Schweizer Radio SRF1 zu hören.

Das alles wussten wir im letzten Jahr noch nicht, aber wir wussten, wir gehen wieder hin, wenn er nochmal kommt. Hier also:

 

Wo die Sau aufhörteine literarische Hundsverlochete (Poetry Slam Solo)
Freitag, 29. November 2013, 20:30 Uhr

Gabriel Vetter
Schon der lateinische Gelehrte Zervulaz sagte einst: Gabriel Vetters Humor ist wie eine gute Wurst: roh, grob bis feinkörnig, – aber man will gar nicht wissen, was es da alles drin hat.
Was passiert, wenn eine gestandene Tierkadaververbrennungsanlage nicht mehr rentiert – und der örtliche Kulturverein die Verbrennungsanlage zum Kleintheater umfunktionieren will? Genau: Der Tierkadaververbrennungsangestellte schlägt zurück. Mit allen Mitteln. Auch mit Wurst.
Also liest und performt Gabriel Vetter in „Wo die Sau aufhört“ seine Texte, Geschichten und Gedichte, die man zwar nicht essen kann, die aber doch munden wie feinste italienische Salami, oder schwierig zu verdauen sind wie eine dreissig Jahre alte Pfälzer Magenwurst.
„Wo die Sau aufhört“: Ein Abend voller Poesie, voller Satire – und mit Tieren und Würsten – in allen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen.

„Sie meinen wohl, sie seien ein Satiriker, aber Sie sind ein links-intellektueller Sauhund, ein verdammter!“ Fanpost
Visit YouTube – Comedy aus dem Labor

gabrielvetter.ch

in Kultur – Allover, Kultur – Bücher

Wäre ich du, würde ich mich lieben – Horst Evers

Um es gleich zu sagen, ich liebe Horst Evers. Ein Teil meines Ichs, das meist hinter den anderen Gestalten in mir im Hintergrund bleibt, möchte bunte Puschel in die Hand nehmen und piruettedrehend rufen „Gib mir ein E, gib mir ein v… usw.“.

Eher zufällig traf ich auf seine bunten Geschichten und eigenwilligen Gedankenverschaltungen, als ich ein Hörbuch mit dem Titel „Horst Evers erklärt die Welt“ auf meinen MP lud. Und kicherte dann fröhlich im Zug vor mich hin, bei seinen Schilderungen von Zugerlebnissen, Menschenbegegnungen und lustigen Intermezzi im eigenen Kopf (seinem Kopf jetzt). Auch Folgetitel, die mit Satzperlen wie „Die Rhön lässt einem als Landschaft ja auch in Ruhe“ und immer wieder zitierbaren Geschichten über die letzten beiden nicht ausgepackten Kartons nach dem Umzug  erheiten, verankern Horst Evers fest in meinem Herzen und geben mir das wohlige Gefühl, nicht alleine zu sein („Ich hatte wirklich vor sie auszupacken, habe dann aber aus Versehen schon mit dem Wohnen angefangen“).

Sicheres Gespür für den bedeutungsschwangeren Satz mit Pointe verheißen auch die Buchtitel „Die Welt ist nicht immer Freitag“ und „Für Eile fehlt mir die Zeit“ und so war der Griff zu diesem neuen Buch eine Selbstverständlichkeit.

Und ja, ich hatte wieder Spaß. Auch wenn es ein bisschen willkürlich gesammelt wirkt. Nach dem „Ich nehme jetzt mal das Beste aus meinen Notizen“-Prinzip, aber als Programm würde es nicht gehen. Ist ne Splittersammlung, ein paar funkeln, aber ein paar kann man auch mal kurz drehen und dann zu Seite legen. Jedoch, der Beginn ist fulminant, die Anfangsgeschichte mit der Ärztin, hier als Blick ins Buch bei amazon (einfach klicken). Unterhaltsam, kurzweilig, aber mein Tipp: Tourplan checken und live anschauen.

Hier noch eine Geschichte aus dem Buch in live, Visit YouTube, einfach aufs Bild klicken:

Thumbnail

in Kultur – Allover, Kultur – Bücher

Buchmesse 2013 – with the eyes of Karin

Gastbeitrag von Karin, Dankeschön 🙂

———————————————————————————-

Gag-Gag-Gag ohne Huhn
ungelegte (=nicht verlegte) Ausgabe 

Live von der Frankfurter Buchmesse 2013

IMG_1025[1] 

für Georg, Ludwig und Sandra und meine Mäuse Isabelle und Pascal

Ein kleines Dorf in Hessen…
Ganz unerwartet und plötzlich war sie wieder da, die Frankfurter Buchmesse, nachdem sie nur ein Jahr im Voraus bereits im Kalender vermerkt worden war. Noch nie traf mich dies so überraschend und unerwartet wie dieses Jahr, denn nun hieß es loslegen mit der Planung und den Vorbereitungen.

Nein, ich bin nicht dafür verantwortlich, die Messe selbst mit hunderten von Ausstellern und Veranstaltungen zu organisieren, aber fast schon traditionell hatte sich zum gemeinsamen Buchmesse Event ein illustrer Kreis von Freunden angekündigt. Damit verbunden ist immer ein geheimer spontaner Jobwechsel, schließlich geht man als nicht als gemeiner Besucher, sondern an den exklusiv für Fachbesucher vorgesehenen Tagen nach Frankfurt.

Dezent schlüpfen wir aus unseren Alltagsgewändern und verlassen die Brauerei, den Zeitschriftenverlag und die Gabelstapler und tauchen auf in einer neuen, atemberaubenden Erscheinung, nun zuständig für Vertrieb und Marketing eines Autors unter der Flagge eines großen Verlages. So, die erste Hürde wäre genommen  – von diesem Exzess heißt es sich nun an Tag -2 erst mal erholen.

Am Besten mit einem Glas Rotwein, dabei kann man gleich mal Punkt 2 der To-do Liste in Angriff nehmen, denn es gilt, die richtigen Getränke in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Wie gut dass die Geschäfte bis 22 Uhr geöffnet haben, auch wenn es beim Personal des örtlichen Getränkemarktes nicht wirklich auf Begeisterung stößt, wenn man um 5 vor 10 Uhr abends nicht nur mit einem Wagen voll mit diversen Kisten Bier, Wasser und Säften durch die Gänge rast, sondern auch noch Fragen nach bestimmten Weinsorten stellt  verbunden mit der Bitte, mal eben schnell nachzusehen, ob vielleicht doch von dem Château Cap L’Ousteau, Haut-Medoc, 2008[1] eine 2. Kiste sich einfach im Lager versteckt habe.

Na gut, dann halt doch ein Klassiker, Merlot aus Südafrika geht immer und schließlich muss ja auch noch entspannt und verkostet werden.

2 Stunden und 3 Weinkorken später ist es endlich soweit, die Entspannung tritt ein in Form eines Spontan-Komas. Wein hat sich verkosten lassen, kein Brüller aber trotzdem mit dem gewünschten Effekt. Im Traum wird Punkt 2 auf der Liste abgehakt  – was ein anstrengender Tag, aber immerhin sind 2 von 38 zu erledigenden Dingen getan und es ist ja noch ein Tag Zeit.

Tag -1, morgens 5.37 Uhr, der Wecker klingelt. Viel zu früh um aufzustehen. Da ich ja am Tag zuvor meine berufliche Identität gewechselt habe, besteht kein Anlass das Bett zu verlassen und der regulären Arbeit nachzugehen. Wecker aus und umdrehen, weiter träumen …. Mir fällt im Traum Punkt 3 der To-do Liste nicht ein, dafür aber die Anzahl der noch zu erledigenden Aufgaben. Eine kurze Rechnung ergibt, dass von den 24 Stunden des heutigen Tages bereits 6 Stunden vergangen  und somit noch 18 Stunden übrig sind, somit bleiben pro Aufgabe 30 Minuten. Demnach ist alles im grünen Bereich, ich ziehe die Bettdecke hoch und lasse meinem Unterbewusstsein freien Lauf. Um 08.02 Uhr schrecke ich hoch, nun sind es nur noch 16 Stunden und der ganze erträumte Durchschnitt ist kaputt.

Nach dem dritten Gang zur Kaffeemaschine stelle ich fest, dass eine weitere Stunde vergangen ist und ich so ganz langsam Punkt 3 in Angriff nehmen sollte, würde er mir denn einfallen. Während des 4. Kaffees breitet sich bei mir innerlich eine leichte Hektik aus, unterstützt durch die Überdosis des morgendlichen Koffeins, welches immer noch versucht, sich gegen die Reste des Merlots vom Vorabend durchzusetzen.

Wann kommt denn mein Besuch, eine Eintrittskarte habe ich auch noch nicht, ich sollte mich zunächst an einen fein getunten Ablaufplan des morgigen Tages setzen. Es ist unumgänglich, hierzu meine Freundin und Co-Koordinatorin Sandra anzurufen, um gegenseitige Lücken zu ergänzen und auf eventuelle Improvisationssituationen gut vorbereitet zu sein.

„Guten Morgen meine Liebe, wie geht’s Dir heute und vor allem was genau habt ihr bereits für die Anreise morgen geplant?“  Der fünfte Kaffee während des Telefonates und die liebreizende Stimme von Sandra versetzen mich wieder in den Zustand der vollen Zurechnungsfähigkeit. „Nun, wir treffen uns bei mir um 6.25 Uhr morgen früh und fahren dann direkt um 6.30 Uhr los. So grob gerechnet ist es glaube ich realistisch, dass wir uns um 10 Uhr am Haupteingang der Messe treffen können.“ ist die erste Information, welche ich nun versuche, parallel mit den damit neu auftauchenden Fragen zu verarbeiten. „Die Eintrittskarten habt ihr jetzt alle?“ frage ich sicherheitshalber nach.

„Ja wir haben alle Karten dabei, leider habe ich es doch nicht mehr geschafft, Dir Deine Karte rechtzeitig per Post zu schicken, obwohl ich es ja schon lange angekündigt hatte.“

„Ich habe auch ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass die Karte per Post kommt. Aber ich habe sie bereits die letzten Tage rein gedanklich morgens schon aus dem Briefkasten geholt.“

„Wie hast Du vor nach Frankfurt zu kommen?“ erkundigt sich Sandra bei mir.

„Nun, grundsätzlich wäre es sinnvoll, mit dem Zug zu fahren, aber das dauert regulär genau so lange wie mit dem Auto zu fahren. Ich lasse mir das noch offen, habe aber schon mal nach Verbindungen geschaut, wonach ich um 10 Uhr da sein könnte. Für abends habe ich ja bereits einen Tisch beim Mongolen in Darmstadt reserviert und auch für später einen kleinen Wein- und Biervorrat angeschafft. Wie schaut denn eure weitere Planung am Freitag aus?“

„Georg (Autor und somit einziger wirklicher Fachbesucher) wird am Freitag irgendwann mit dem Zug zurück fahren. Für ihn ist es einfacher, ab Darmstadt zu fahren, das heißt wir bringen ihn dann irgendwann zum Bahnhof.“

„Das sollte kein Problem sein, von hier direkt loszufahren ist doch recht umständlich.  Bin ja gespannt, ab wann wir wieder fahrtüchtig sind.“

„Ansonsten soll er sich mal nicht so anstellen, früher ist er auch immer getrampt.“

„Hm, ich weiß ja nicht wie weit er kommt, wenn er sich hier am Ortsausgang vom Dorf hinstellt mit einem Schild >Freiburg<.“

„Dann soll er halt noch dazuschreiben: >bin Psychologe<.“

„Damit könnte es klappen, so kommt er zumindest relativ zügig in die nächste Psychiatrie nach Heppenheim.“

Nach weiterem Gekicher und Geplänkel beenden wir das Telefonat und ich beschließe spontan, dass Punkt 3 das Feintuning des nächsten Tages sein muss und setze einen weiteren Haken auf meiner Liste.

Tag -1 vergeht rasend schnell und tatsächlich wird fast alles, was zu tun ist, erledigt. Gegen 21.30 Uhr fällt mir ein, dass ich völlig vergessen habe Einkäufe zu tätigen, schließlich kann man nicht nur mit Flüssignahrung überleben. Also ab ins Auto, die Märkte haben ja Gott sei Dank bis 22 Uhr geöffnet. Die Warnleuchte wegen zu niedrigem Ölstands blinkt auf.

Bei der Gelegenheit muss der Weinvorrat wieder aufgestockt werden, schließlich ist ja doch ein kleiner Bestandteil bei der Verkostung am Vorabend verbraucht worden. Aber der Wein meiner Begierde ist wieder nicht zu kriegen, leider auch nicht mehr der südafrikanische Merlot, aber kalifornischer Zinfandel geht auch.

Nachdem die Einkäufe zu Hause jeweils an ihren vorbestimmten Platz verräumt sind, sinke ich doch leicht erschöpft ins Bett – schnell schlafen, denn morgen ist der Tag gekommen und er könnte anstrengend werden.

DER TAG, morgens 3.15 Uhr, mein Handy piepst und signalisiert, dass ich eine SMS erhalten habe. Die Freiburger sind doch wohl nicht jetzt schon losgefahren überlege ich und taste im Dunkeln nach meinem Handy. Meine Tochter schreibt, dass sie nun doch früher von der Klassenfahrt zurück kommt und sie bitte um 5 Uhr morgens abgeholt werden möchte. Theoretisch wäre da noch Zeit, um sich für eine weitere Stunde Bruder’s Schlaf hinzugeben, oder vielleicht doch lieber gleich aufstehen? Meine Gedanken kreisen um die Frage aufstehen oder liegenbleiben, bis ich auf meinem Wecker registriere, dass es bereits 5 nach Vier Uhr morgens ist. Somit wäre diese Frage nun beantwortet: aufstehen, und zwar pronto!

3 Tassen Kaffee gelingt es, mich rechtzeitig in einen fahrtüchtigen Zustand zu versetzen und so fallen Isa und ich uns kurz nach 5 Uhr freudig in die Arme. Wieder zu Hause erzählt sie während des Frühstücks die Highlights der einwöchigen Reise nach Südfrankreich, und verschwindet danach im Bett, um sich von den Strapazen der nächtlichen Busfahrt zu erholen.

Wow – nun bin ich richtig wach und fit für den Tag, wie lange er auch immer dauern mag. Ich checke noch einmal kurz die ausgewählten Zugverbindungen und setze mich ins Auto, um zum nächsten Bahnhof zu gelangen.

Ab welchem Bahnhof will ich denn nun fahren? Der nächstgelegene ist 8 km entfernt und würde eine Zugfahrt von 1 Stunde und 45 Minuten nach sich ziehen. Nee, das dauert mir zu lange, also nehme ich lieber den Zug ab Darmstadt, von dort bin ich in ca. 30 Minuten direkt an der Messe. Aber es ist 8 Uhr morgens und der Berufsverkehr ist in vollem Gange. Bis ich beim Darmstädter Bahnhof bin, fahre ich bestimmt eine knappe Stunde, dann noch die Parkgebühren am Bahnhof……

Spontan biege ich auf die Schnellstraße ab, jedoch in die entgegengesetzte Richtung von Darmstadt und fahre nun doch direkt mit dem Auto nach Frankfurt, da sich aus sämtlichen Zugverbindungen weder eine nennenswerte Zeit- noch Kostenersparnis ergibt. Die Warnleuchte für zu niedrigen Ölstand ist noch orange ….

09.05 Uhr und 6 km vor Frankfurt frage ich mich, wo sich die Freiburger wohl befinden, sofern sie denn rechtzeitig losgefahren sind. Da ich so wie so im Stau stehe und man ja nur während des Fahrens nicht telefonieren darf, krame ich mein Handy aus der Tasche und rufe Sandra an. Tatsächlich sind sie pünktlich losgefahren und sind bereits 40 km vor Frankfurt, allerdings aus einer anderen Richtung kommend als ich. Somit ist ein spontanes come together auf der Autobahn ausgeschlossen, aber der anvisierte Treffpunkt um 10 Uhr am Haupteingang der Messe rückt in die Nähe des Greifbaren. Meine über den Haufen geworfene Planung, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Frankfurt zu reisen, sorgt für Erheiterung während der verbleibenden Fahrt des Freiburger Autos (war ja klar, giggelnder Einschub der Blog-Inhaberin).

Letztendlich haben wir es geschafft, zwar mit einer leichten Verspätung von 30 Minuten, aber um  10:29 Uhr erschallt ein herzliches Sandra-Bär und Karin-Bär auf dem Messevorplatz. Ich stelle fest, dass wir uns energetisch auf ähnlichem Level befinden. Und die Messe fängt erst an. Die erste Anlaufstelle, auch schon fast traditionell, ist die Kaffeebar im Erdgeschoss der Halle 3. Dort stärken wir uns für den vor uns liegenden Tag und mir fällt nun endlich der wahre Punkt 3 meiner To-do Liste ein, der wegen kurzfristiger Unsichtbarkeit natürlich nicht abgearbeitet werden konnte. Ich habe keinen Plan, was und wen ich mir auf der Messe alles anschauen möchte und hoffe dass Sandra hier in Vorleistung getreten ist. (Das zum Thema Orga Wunder, die wahre Kunst liegt darin, alles wie geplant aussehen zu lassen!)

Tatsächlich hat sie einen persönlichen Veranstaltungsplan erstellt, diesen aber – wie überraschend – zu Hause vergessen, und somit beginnt nun der Improvisationsteil (pfff – Einschub der Blog-Inhaberin, Orga-Wunder 2.0, verstecke wie toll du wirklich organisieren kannst). Georg ist schon ganz aufgeregt und möchte gleich einen festen Termin vereinbaren, wann wir uns zum ersten Glas Wein treffen. Er zittert aber noch nicht.

In der ersten Halle hören wir bereits Aufschreie und ein Tumult um einen Verlagsstand fällt uns auf – da ist bestimmt ein Promi. Und tatsächlich entdecken wir wasserstoffblondierte Extensions sowie knallrote Lippen zwischen unzähligen Reportern, Fotografen und Journalisten. Nach den ersten Sätzen des Interviews von Daniela Katzenberger haben wir genug gesehen und gehört und ziehen weiter. Der Ausspruch von Sonya Krauss auf der Buchmesse 2012 fällt mir ein: <Dass heutzutage auch jeder Promi ein Buch schreiben muss.> und wir finden heraus, dass Boris Becker um 14 Uhr interviewt wird. Das muss man natürlich gesehen haben und so lassen wir uns weiter treiben.

Um 12 Uhr sind wir soweit, wir benötigen dringend eine kurze Pause und eine kleine Stärkung. Nach Kartoffelsuppe, Frankfurter Rindswurst und Pommes fällt uns auf, dass die für 14 Uhr angesetzte Weinprobe mit Georg mit dem Interview von Boris Becker zeitlich kollidiert, außerdem gibt es Hellmuth Karasek zu sehen, für den wir uns am Ende entscheiden werden. Im improvisieren sind wir ja gut und ziehen in kleinen Grüppchen weiter. Immerhin haben wir schon die Kalenderausstellung und die Präsentation des Gastlandes Brasiliens geschafft. Und eigentlich hätten wir uns noch ein Päuschen verdient. Also ab zum nächsten Kiosk, um zunächst den Flüssigkeitshaushalt wieder herzustellen.

Mir fallen zwei Piccolo Fläschchen Freixenet ins Auge und ich muss diese unbedingt erwerben. Die Schlange an der Kasse ist so lang, dass Sandra es schafft, während der Wartezeit ihre halbe Flasche Limonade zu trinken und ihr die Kassiererin das Pfand zurückgeben möchte statt zu kassieren, als sie die leere Flasche bezahlen möchte (Einschub der Blog-Inhaberin, hach, ehrliche Haut, habe darauf bestanden, die Flasche zu bezahlen, ich komme zu nichts, lebe aber von der Ehre, melodramatisch werd). Um nun den trotz der langen Warterei noch gut gekühlten Sekt gleich genießen zu können bedarf es noch eines lauschigen Plätzchens auf der Agora, sodass bei der Gelegenheit gleichzeitig eine angemessene Dosis Nikotin nachgeschoben werden kann  –  Organisation ist alles, somit sind wieder einmal zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen.

Wir stehen ratlos vor auf der Agora verteilten Duden Würfeln, die sich als Sitzgelegenheit förmlich aufdrängen würden, wären sie nicht durch einen vormittäglichen Regenschauer immer noch nass. Bei unseren bisherigen Rundgängen haben wir zwar eine nicht unerkleckliche Menge an Stofftaschen angesammelt, aber als Sitzunterlage auf nassen Duden Würfeln ist selbst eine arte Tasche nicht wirklich gut geeignet. Wie auf ein Zeichen erhebt sich plötzliche eine Gruppe von Leuten von richtigen Holzsitzbänken unter Bäumen, das ist doch der angemessene Rahmen für uns.

Die Freixenet Fläschchen erklingen wohl beim Zuprosten und nun haben Sandra und ich das erste Mal Gelegenheit, uns ein bisschen privat zu unterhalten. Der Inhalt des Sekts löst sich sukzessive in Nichts auf und mir fällt ein, dass ich Sandra unbedingt ein privates Ereignis erzählen muss.

„Sandra, erinnere mich heute Abend unbedingt daran, dass ich Dir noch die neusten Ereignisse in Zusammenhang mit meiner Anwältin erzählen muss.“

„Warum erzählst Du mir das nicht gleich, wo wir hier doch schon mal so gemütlich zusammen sitzen?“ fragt Sandra nach.

„Erstens ist es kalt und zweitens ist der Sekt leer. Und außerdem dauert die Geschichte zu lange.“ versuche ich meine Freundin hinzuhalten. „Obwohl, mit einem zweiten Fläschchen Sekt könnte es gehen. Aber die Location würde ich dazu trotzdem gerne wechseln, es ist doch ganz schön kalt. Wo ist das blaue Sofa?“

Wir kriegen uns fast nicht mehr darüber ein, wie wohl die Erzählung der noch unbekannten Story wohl im Fernsehen auf 3Sat rüber kommt,  um gleich darauf festzustellen, dass wir uns mittlerweile kurz vor 14 Uhr dringend in die ARD Halle begeben sollten, um uns am vereinbarten Treffpunkt mit Ludwig und Georg einzufinden. Eine Speakers Corner fehlt noch auf der Agora, behalten wir uns auf dem Weg im Hinterkopf und völlig zusammenhanglos fällt mir der zu niedrige Ölstand meines Autos ein.

„Ach, der Georg weiß ja noch gar nicht, dass wir uns nicht in Halle 4 bei der Weinprobe sondern bei Karasek treffen.“ bemerkt Sandra und parallel wird das erste Foto (es sollte auch das einzige der Buchmesse bleiben) auf Facebook gepostet und Georg über die organisatorische Änderung per SMS informiert.

Tatsächlich haben wir uns alle um kurz nach 2 gefunden und stellen nach weiteren 20 Minuten fest, dass wir von Karasek gar nichts mitbekommen, da wir uns so viel zu erzählen haben, dass wir nun doch endlich den offiziell ersten Messe Wein zu uns nehmen könnten. Georg zittert auch fast schon und ist sichtlich unruhig, während wir ja bereits vorgelegt haben und die Ruhe selbst sind. Der einzige Fels in der Brandung ist Ludwig, völlig gelassen lässt er alles mit sich geschehen (oder über sich ergehen – eine Frage der Perspektive). Ehe wir uns versehen, befinden wir uns wieder an der Kaffee Bar. Es gibt nur Riesling, nicht wirklich unser aller Favorit, aber wir wollen unseren Georg nicht länger quälen, alles nur eine Frage von Promille und nicht von Geschmack.

Hell ertönen die Gläser, der Sound ist definitiv besser als der Klang der Piccolo Fläschchen.

–        Hier muss ich mal kurz einen Hinweis an Florian Schröder schreiben: er hat es leider völlig verkannt, dass auf der Buchmesse ab 15 Uhr nur noch gesoffen wird, das Gelage geht in Wirklichkeit schon viel früher los. Außerdem haben wir Becker gesehen – Timing ist alles!

Georg macht sich auf den Weg zu seinem nächsten Termin, nun wieder die Ruhe in Person. Für uns Mädels ist es beruhigend, nun wieder 2 echte deutsche Eichen als Begleitung dabei zu haben.

Während der Karasek Veranstaltung haben wir entdeckt, dass Boris Becker um 16 Uhr dort auftritt, somit wird das der nächste anzuvisierende Punkt auf dem Zeitplan. Die Zeit bis 16 Uhr wollen wir alle endlich einmal nutzen, uns dem interessanten Teil der Buchmesse, der Halle 3, zu widmen und begeben uns direkt in die obere Etage derselben.

Ludwig, unser Fuchs, hat in der Zwischenzeit herausgefunden, dass genau hier ein Stand eines italienischen Spezialitätenhandels ist. Wir probieren uns durch diverse Brotaufstriche und Käsesorten und überlegen, nicht wie sonst die Objekte der Begierde wie Balsamico, Nudeln und Olivenöl schriftlich zu bestellen sondern direkt dort einzukaufen. Bei dem Gedanken, den Einkauf den Rest des Tages mit uns rumschleppen zu müssen, löst sich diese Idee wie von selbst in Luft aus.

In der Halle ist es stickig und die Luft ist trocken. Für einen Fachbesuchertag ist die Messe schon sehr gut besucht und man kann nicht wirklich durch das Gedränge flanieren. Das erste Mal an diesem Tag spüre ich meine Füße, die Stiefel die sich daran befinden sind wohl doch nicht das richtige Schuhwerk für so einen Messetag mit 7 cm Absätzen, wenn auch eine Nummer größer.

Ich vollführe eine Pirouette, alles ist besser als stehen, denn wir sind von dem Italo Stand immer noch nicht weiter gekommen. Die schmerzenden Füße sind vergessen, als ich auf der gegenüberliegenden Seite einen Wein- und Sektstand entdecke. Die Promoterin dort bemerkt mein freudestrahlendes Lächeln beim Anblick ihrer Ausstellung und lockt mich mit dem Zeigefinger  winkend zu ihr herüber. Sandra und Ludwig folgen mir unauffällig. Einen Sekt, 3 Weißweine und 1 Rotwein später ist eine Bestellung platziert, die Füße spüre ich nun nicht mehr und das ist auch gut so.

Der einzige Grund, warum auf der Buchmesse überhaupt getrunken wird, ist der damit verbundene Versuch, die Nervenleitung der unteren Extremitäten lahmzulegen, um den Tag zu überstehen.

Frohgesinnt und leicht taumelnd (nicht wegen des Alkohols, aber ich spüre die Füße ja nicht mehr) ziehen wir weiter Richtung ARD Studio, um dort nicht nur Boris Becker sondern auch Georg wieder zu treffen. Unterwegs treffen wir Dieter Moor und Dennis Scheck, also rein promi- und Taschen-technisch gesehen ist die Buchmesse bereits jetzt ein voller Erfolg!

Oh boy, was ist die Halle voll – jeder will unser Bobbele sehen. Von einer Augenweide zu sprechen finde ich zwar übertrieben, ich denke da eher an Augenkrebs, aber es zählen ja nur die inneren Werte. Die inneren Werte seines Buches erschließen sich mir nicht wirklich, auch die von ihm abgegebenen Statements wirken wenig überzeugend und uninteressant (Einschub der Blog-Inhaberin, Zitat Bobbele: „…also, äh, ich sag  jetzt mal, ich bin ja nicht auf den Mund gefallen, äh … oder wie soll ich jetzt sagen…“). Also schnell noch ein Foto gemacht und mit letzter Kraft schleppen wir uns wieder in die Halle 3 zurück, um nun endlich mal ein Buch in die Hand nehmen zu können.

IMG_1063[1]

Ein paar Stände von den größeren Verlagen schaffen wir tatsächlich noch, aber pünktlich zu Messeschluss um 18 Uhr ist dann auch bei uns die Luft draußen. Nachdem wir uns alle wieder zusammen gerottet haben, trotten wir langsam aber sicher Richtung Parkhaus.

Endlich sitzen, freue ich mich im Auto, und der Gedanke an das leckere Essen beim Mongolen Grill lässt mich sämtliche Strapazen vergessen. Aus Frankfurt rauszukommen ist an solchen Messetagen nicht so ganz einfach, immerhin habe ich mich innerhalb von 20 Minuten doch schon einen knappen Kilometer bewegt. Wieder einmal krame ich nach meinem Handy, ich fahre ja nicht sondern stehe, und bitte meine Tochter per SMS,  rechtzeitig im Restaurant zu sein, da wir uns mit Sicherheit um eine Viertelstunde verspäten werden und mir außerdem meine flachen Turnschuhe mitzubringen. Die leuchtende Ölstandsanzeige ignoriere ich gekonnt.

Ein Schuhwechsel und das tolle Essen in Gesellschaft von meinen Lieben bringen mein Energie Level tatsächlich wieder über die Null-Linie und später am Abend landen wir nun zwar nicht auf dem blauen Sofa, dafür aber auf der schwarzen Couch. Die schwarze Couch ist übrigens ein reiner privater Gebrauchsgegenstand und psychotherapeutisch gesehen unbefleckt, nur um eventuellen Schlussfolgerungen vorwegzugreifen (Einschub der Bloginhaberin: aber tiefenpsychologisch UND philosophisch ist die Couch getestet).

Der Getränkevorrat wird sofort überprüft und in Bezug auf Quantität und Qualität für gut befunden. Genau 24 Stunden nach Erhalten der SMS meiner Tochter gebe ich auf und ziehe mich ins Bett zurück, um dort sofort in einen traumlosen Tiefschlaf zu fallen.

Tag +1, am späten Vormittag finden wir uns zum gemeinsamen Frühstück wieder zusammen. Parallel werden die Zugverbindungen nach Freiburg gecheckt und die Abfahrtszeit um 13.24 Uhr für realistisch befunden.

Georg wird also mit den besten Wünschen wieder nach Hause geschickt und wir bummeln im Regen durch Darmstadt. Ungemütlich ist’s. Dann doch lieber wieder zeitig nach Hause, denn der nächste Programmpunkt steht schon fast bevor, der Kabarett Besuch in Langen bei Florian Schröder. Ich wundere mich über die Ölstandsanzeige, die immer noch nicht rot aufleuchtet.

Auf dem Weg nach Langen, mittlerweile ist es dunkel und sehr nebelig, lassen wir den letzten Tag Revue passieren. Sandra stellt fest: „Wein haben wir ja noch genug vorrätig für dieses Wochenende.“ Was ich frei nach Torsten Sträter kommentiere: „Da wirst Du mit einem Wochenende nicht auskommen“. Ich weiß das ist ein sogenannter Insider, zum besseren Verständnis empfehle ich hier an dieser Stelle die Lektüre von „Der Sache mit Struppi“ von Torsten Sträter (Einschub der Blog-Inhaberin: siehe auch hier).

In Langen an der Neuen Stadthalle angekommen entdecken wir, dass der Mitarbeiter Parkplatz bis auf ein Auto völlig leer ist. Wir als Fachbesucher der Frankfurter Buchmesse sehen uns nun dafür prädestiniert, unser Vehikel auf diesem Parkplatz abzustellen. Nur ein einziges Auto mit Lörracher Kennzeichen  hat dort bereits geparkt – wir stehen neben Schröder!

Ein sehr unterhaltsamer Abend nimmt seinen Lauf und endet mit einem leicht verwackelten Foto von Florian Schröder und mir bei der Autogrammstunde (zugegebenermaßen signiert nur er) – immerhin 1 Like und 4 Kommentare auf Facebook.

IMG_1052[1]

Fast wie in alten Zeiten halten wir auch am 2. Abend durch bis kurz vor 3 Uhr, auch wenn wir keine 20 mehr sind. Der Weinvorrat ist weit entfernt davon, sich dem Ende zu neigen.

 

Tag +2 um 9.00 Uhr morgens, ich bin wach, einfach so ohne Hilfsmittel wie Wecker und Kaffee. Genau 5 Minuten später meldet sich mein Sohn Pascal um mir mitzuteilen, dass auch er beabsichtigt, von seiner Klassenfahrt zurück zu kehren, und zwar in 30 – 45 Minuten. Der kleine Pascal möchte bitte vom Bus abgeholt werden ….

Prima, alles just in time, mein Besuch schläft noch und für mich bleibt doch noch Zeit für einen 2. Kaffee,  und Frühstücksbrötchen kann ich auch noch holen, bevor ich Pascal an der städtischen Großsporthalle samt Gepäck in Empfang nehmen darf.

Die Freude ist allerseits groß, alle sind über das Wiedersehen hoch erfreut und nach diversen Begrüßungsrunden machen wir uns über das Morgenmahl her.

Sandra bemerkt: „Also dafür, dass Pascal 10 Tage auf Klassenfahrt war und fast 24 Stunden Busfahrt hinter sich hat, sieht er erstaunlich frisch aus.“

„Ja“ sage ich, „ich war auch entsetzt, als er so frisch und fröhlich aus dem Bus gesprungen kam, eigentlich nehme ich ihn nur müde zurück.“

Nach dem Frühstück begutachtet Pascal zunächst sein reorganisiertes, nun problemlos begehbares Zimmer und stürzt freudig zu Sandra und mir auf den Balkon, wo wir uns zur drittvorletzten Abschiedszigarette eingefunden haben. „Mama, danke, mein Zimmer sieht ja wieder richtig gut aus.“ freut er sich.

Ich fordere nun die Gegenleistung für einen ganzen Tag Arbeit ein: „Ja Pascal, aber nicht nur Danke sagen, wo sind meine Geschenke?“. Das und ein weiterer Kommentar von Ludwig, wovon man allerdings nur „Promille“ versteht, zaubern einen verklärten Ausdruck der Erheiterung auf unsere Gesichter.

Irgendwie hat ja doch alles geklappt. Auf jeden Fall habe ich jetzt schon ein Jahr vorher wieder den Termin der Buchmesse 2014 im Kalender vorgemerkt, sodass ich nächstes Mal rechtzeitig planen und vorbereiten kann.

 

Kleines Nachwort:

Für eure Kalender: die Buchmesse 2014 findet statt vom 08. Bis 12. Oktober.

Die Ausgabe 2014/2015 vom  Super Schoppen Schopper machen wir! Und der Besuch von euch allen war wie immer schön und unvergesslich.

Und jetzt wird Motoröl aufgefüllt


[1] Aus dem Super Schoppen Schopper 2012/2013

in Kultur – Allover, Kultur – Bücher, Politik und Gesellschaft

Der überflüssige Mensch – Ilija Trojanow

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt Gedanken die mich beunruhigen und die durch mich hindurchfließen wie ein unangenehmes Gefühl. Immer wenn die Bildzeitung ihre quartalsweise Hetzjagd auf Sozialschmarotzer eröffnet und ich mich frage, ob wir uns als eines der reichsten Länder der Erde das nicht mehr leisten können, die handvoll leistungsunwilligen Systembetrüger. Weil dabei eine Art Generalschuld entsteht für alle Menschen, die nicht mehr mithalten in unserer Zeit und weil es Prinzipien gibt wie die Rechtsstaatlichkeit und die soziale Fürsorge, die ich uneingeschränkt befürworte. Und weil es wirklich schlimmere Ungerechtigkeiten für Seite eins gibt als die 394,- € von Kalle, der Sozialsau, die auf Mallorca lebt.

Im Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils und ich weiß, dass dadurch manche entkommen.
Bei der Fürsorge gilt die Sorge um die Schwachen und ich akzeptiere, dass das System ausgenutzt werden kann.

Schrecklicher fände ich die Idee, einen Unschuldigen zu verurteilen oder einen Bedürftigen hungern zu lassen. Ganz abgesehen von der Wahrheit, dass es auch in Zukunft keine Vollbeschäftigung mit würdevollen Arbeitsplätzen geben wird, auch wenn wir alle Sozialschmarotzer gefunden haben.

Wenn ich lese, dass eine HartzIV-Familie den Schulzuschuss (100,- € pro Kind und Jahr für Hefte, Bücher etc., wir sprechen hier also nicht von Bereicherung) für ihre Kinder nur bis zur 10. Schulklasse bekommt, dann friert es mich. Was heißt das denn übersetzt? Wenn du Eltern aus einer HartzIV-Familie hast, brauchst du kein Abitur machen? Ist das unsere soziale Wirklichkeit, die Idee der durchlässigen Schichten hat ausgedient?

Fast genauso schlimm finde ich, dass das niemand weiß, wann immer ich das erzähle stosse ich auf großen Unglauben, wir haben keine Energie mehr für die Ungerechtigkeiten unseres Alltags, die die Wahrnehmung unserer Gesellschaft in den nächsten zwei Generationen verändern wird (ich nehme mich anderen Stellen da nicht aus). Weil die Kinder, die heute geboren werden, in den Klassen und Möglichkeiten denken, in denen sie aufwachsen und irgendwann niemand mehr da ist, der ihnen sagt, dass das nicht so sein muss.

Ich bin in den Achtzigern aufgewachsen mit der Idee, dass sich ein Mensch über Chancen und Leistung definiert und jeden Spielraum hat zu werden, was er kann und will. Wahrscheinlich gehöre ich der letzten Generation an, die dies als Selbstverständlichkeit begriffen hat.

Nun, dies soll ja eine Buchkritik werden, also bremse ich mich mit weiteren Beispielen, bei denen ich diese Kühle spüre. Wir finden sie allerorten, wenn wir von Menschen hören, die von ihrer Arbeit nicht mehr leben können, wenn wir begreifen, wie stark die Umverteilung ist, die in den letzten 30 Jahren stattgefunden hat, wenn wir die Machtlosigkeit spüren, die uns selbst und alle Organisationen, die für uns streiten sollen, ereilt hat. Heutzutage sind sich ja nicht mal mehr die Linken zu schade dazu, populistischen Anwerfungen gegen spanische Jugendliche zu machen, die Arbeit in den Ländern suchen, in denen es sie gibt (pfui Sarah Wagenknecht, singe nie mehr von den Völkern der Welt).

Gewünscht habe ich mir, diese Gefühle zu bündeln und einzuordnen, Ihnen sozusagen ein Kleid zu geben, in dem sie sich präsentieren können. Nun muss ich mich aber nicht mehr mühen, denn es gibt dieses Essay über die Würde des Menschen, die nicht verhandelbar ist, auch nicht für angebliche kapitalistische Notwendigkeiten.

Ich musste das Buch immer wieder weglegen, weil mich diese Themen einfach erregen und berühren. Teilweise fühlte ich sogar ein großes „Aber“ in mir, wenn das System des permanenten Wachstums und des Kapitalismus schonungslos angegriffen und in Frage gestellt wird.

Aber man muss so etwas denken und sagen dürfen und ich bin froh, dass Ilija Trojanow diesem verwirrenden Gefühl tiefen Unwohlseins eine Diskussionsgrundlage geben hat.

Also: Für mich unbedingt lesens- und bedenkenswert!

 

Autor

Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, wuchs in Kenia auf und lebt heute in Wien. Trojanow wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2000, dem Preis der Leipziger Buchmesse 2006, dem Berliner Literaturpreis 2007. Neben seinem umfangreichen literarischen Werk publizierte Trojanow Essays und Reportagen zu globalen politischen und kulturellen Themen. Zum Bestseller wurde „Der Weltensammler“ (2006), zuletzt erschien sein Roman „Eistau“ (2011).