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Kultur – Musik

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MOVITS! – Schwedischer HipHop-Swing im Jazzhaus 22.10.2013

MOVITS

 

Bereits im letzten Jahr spielten MOVITS! im Freiburger Jazzhaus und haben mich alten Tanzmuffel in Schwingung gebracht. Der Saal war nicht ganz voll, im letzten wie in diesem Jahr, die Band ist immer noch ein „Geheimtipp“. Im Laufe des Abends hat die Musik die Besucher locker „geknackt“, die Stimmung war toll, still stehen unmöglich angesichts der Beats.

 

Die Jungs um die Brüder Johan und Anders Rensfeld (Gesang und Multiinstrumentalist) stammen aus Luleå im dunklen Nordschweden und spielen mit einer mitreißenden Leidenschaft HipHop, durchsetzt mit Swing-Elementen und einem Bass, der den Herzschlag ersetzen kann. Gepaart mit den schwedischen Texten (von denen ich kein Wort verstehe, Recherchen ergaben viel Gesellschaftskritisches) wird daraus ein ganz eigenes Elebnis mit hoher Energiedichte. Der Wechsel zwischen Tanz, Instrument und Gesang scheint mit dazu noch eine sportliche Leistung.

Hört und seht selbst, einmal als offizielles Video, einmal Live:

 

Nitroglycerin vom aktuellen Album „Huvudet bland molnen“ (2013)

 

Lotus-Festival 2012

 

Bekannt wurde die Band mit ihrem Debütalbum Äppelknyckarjazz (2008), nicht nur durch Artikel in der Schwedischen Presse, sondern auch durch zahlreiche Liveauftritte in Clubs und die konsequente Präsenz im Internet, bei YouTube sind die meisten offiziellen Videos und Live-Mitschnitte gelistet.

In den Vereinigten Staaten brachte Comedy Central Records das Album heraus und verhalf auch über einen Auftritt bei der Sendung Colbert Report der Band in den USA zu einer gewissen Bekanntheit.

MOVITS! tourt weltweit, sollten sie in eurer Nähe sein, lasst euch das Erlebnis nicht entgehen, Tourdaten auf der offiziellen Seite:

Und jetzt noch mein Lieblingsvideo, Fel Del Av Gården:

 

P.S.: Für heute Abend bin ich verliebt in den Saxophonisten Joakim Nilsson.

 

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Parov Stelar – ZMF am 12.7.2013

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Bild: Universal Press Release

 

Parov Stelar (bürgerlich Marcus Füreder) ist ein östreichischer DJ und Produzent im Bereich Jazz, House und Downbeat und der Pionier des Elektroswing. Er hat ein eigenes Label in Linz, seit Mai 2013 aber auch einen Vertrag mit Universal Music.

Parov Stelar wurde bekannt durch die eigenwillige und einprägsame Musikunterlegung von Werbespots, auch das Internet hat eine maßgeblichen Anteil am Erfolg. Auf YouTube gibt es unendlich viele Tanzvideos zu dieser Musik, das Video „Catgroove“ des australischen Tänzers TSC Forsythe wurde mit Stand gerade eben 14.666.640 mal geklickt! Auch komische Varianten aus Fitnesstudios sind dabei, vielleicht kommt nach Zumba jetzt Elektroswing.

So, genug der trockenen Hintergrundinformationen, let´s Swing, denn bei dieser Musik verabschiede ich mich von meiner Tanzmuffeligkeit und hoppe mit. Ich habe Parov Stelar hier bereits früher unter den Songs der Woche vorgestellt, ebenso Alice Francis, mit der er produziert hat. Ich war also aus dem Häuschen, als ich gesehen habe, dass er auf dem ZMF auftritt, hingehen war ein Muss:

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Hörprobe: Parov Stelar

Die Anreise ist unlustig, mein Fahrrad hat leider einen Getriebeschaden, ich muss also den Bus zum ZMF nehmen. Puh, es ist heiß, die Menschen stehen dicht an dicht und wenn ich sehe, wer beim Busfahrer seine Parov-Stelar-Karte zeigt, weiß ich, dass das Publikum diesmal wirklich im Schnitt 22,3 Jahre alt ist. Meine Theorie, die ich noch beim LAING-Bericht geäußert habe, nämlich dass das ZMF eventuell ein eher älteres Publikum anzieht, vielleicht auch durch die Ticketpreise, ist ersatzlos gestrichen. Dieses Publikum ist jung und die Karten waren teuer.

Egal, die Sonne scheint, das ZMF ist brechend voll, an den Ständen bilden sich lange Schlangen, das habe ich hier auch schon lange nicht mehr gesehen.

Im Zelt suchen wir uns dann eine erhöhte Stelle an einer Öffnung in der Plane, darum werden wir später tanzend und schwitzend sehr froh sein. Als es dann losgeht, ohne Vorgruppe und Chichi, ist die Musik sofort mitreißend. Die dichten Bässe mit den fetzigen Bläsern bringen mich in einen fast rauschhaften Zustand, diese Musik fühlt man mit dem ganzen Körper, das ist Clubmusik . Dazu eine perfekte Liveperformance mit einer tollen Sängerin Cleo Panther, die auf ihren High Heels und im knappen Höschen sehr sexy durch die Rhythmus-Sequenzen swingt.

Das war eine Erfahrung, nichts geht über Live.

Hier noch der Trailer von der Princess-Tour 2012, der die Stimmung super einfängt und nicht übertreibt: Visit YouTube

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Die Menge tobt und swingt

P.S.: Vom 5. bis 7. September 2013 ist Tiger Rag Festival in Schmitz Katze und es tritt tatsächlich Alice Francis auf. Also hingehen.

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LAING – ZMF am 7.7.13

Den Meisten ist LAING wohl ein Begriff durch den Song „Morgens immer müde“, mit dem sie beim Bundesvision Song Contest 2012 für Sachsen den zweiten Platz geholt haben. Die Berliner Damencombo um Sängerin, Songwriterin und Produzentin Nicola Rost bezeichnet ihren eigenen Musikstil als Electric Ladysound.

Hier mal der Vergleich zwischen Original und der Umsetzung der Damen:

 

Das Original  – Trude Herr „Morgens immer müde“

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LAING – Official Video (siehe auch Song der Woche 12)

Bin also mit Schwesterherz auf dem ZMF, perfekter Sommerabend.  Im Spiegelzelt wird es sofort stickig, ganz voll ist es aber zum Glück für uns nicht. Wir ergattern einen Tisch und befinden uns ums Umschauen mit den Tischkollegen im Gespräch. Ein junges Pärchen, keine dreißig, sehen aus wie 25, verheiratet. Fast will es mich ein wenig gruseln, wie gesettelt die beiden schon sind „Wir leben seit fast 10 Jahren in Freiburg, waren noch nie auf dem ZMF. Jetzt sind wir mit dem Studium fertig und haben gedacht, das müssen wir auch mal machen“. Puh. Aber was soll ich sagen. So super erfolgreich waren meine Entscheidungen ja auch nicht. Egal. Sie sind herzlich.

Den Herrn gegenüber verwickeln wir auch noch in unsere Runde. Zuerst sieht er ein ganz klein wenig wie ein Beamtentyp aus, geschätzte 50, alleine da. Dann ist er im Gespräch eine Entdeckung, ganz interessiert und charmant, geradezu verschmitzt. Ist ja auch kein Standard, dass Herren ohne deutlichen Tick einfach mal so alleine in ein Konzert (gerade dieser Art) gehen. Experimentierfreudig und als er mir dann auch noch seinen hellblauen Fächer leiht, den er allen Ernstes ohne jede Profilneurose zückt, bin ich hingerissen.

Überhaupt, das Publikum hätte ich jünger geschätzt. Wegen der Musikrichtung und weil die Karten dann auch nicht so teuer sind. Vielleicht ist das insgesamt ein ZMF-Phänomen?

Dann tritt LAING auf, alle Damen sehr hübsch und geschmeidig, jede Geste sitzt, die Stimmen gefallen mir eh. Irgendwie erinnert mich der Elektrosound an Kraftwerk und Konsorten, besonders bei dem Song „Maschinell“, der perfekt einstudiert ist (hier eine frühere YouTube-live-Version, die den Stimmen nicht gerecht wird, live ist viel besser).

Allerdings erstreckt sich das Perfekte hier nur auf die Songs, ansonsten sind LAING ungemein entzückend und gar nicht kalt. Das einzige Manko: Das Konzert dauert gerade mal 75 Minuten, meine Theorie bezieht sich auf einen eventuell begrenzten Liedbestand, bisher gibt es nur eine CD und auch bei YouTube ist die Titelvielfalt nicht groß.

Wenn Sie wiederkommen werde ich hingehen, bin gespannt auf die weitere Entwicklung.

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LAING live im Spiegelzelt, herrjeh war das heiß, willkommen in Freiburg

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Kraftwerk Revival

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Bei uns daheim lief zum Abendessen immer SWR3 und es gab nur eine Band, die meinen Vater noch mehr nerven konnte als Kraftwerk, das war „DaDaDa“ von Trio. Aber dann kamen auch schon die mechanischen Klänge von Model und Autobahn. Dahinter kam dann der Rest der NDW. Jaha, ich weiheiß, Kraftwerk ist nicht NDW, war viel früher, iss ja gut. Lief trotzdem zeitgleich im Radio.

Okay, in ihrer Schlichtheit ist diese Musik ungeheuer einprägsam, man braucht nur zwei Akkorde für den Wiedererkennungseffekt, aber gänzlich an mir vorbeigegangen ist bis zu dieser Sendung der neue Kraftwerk-Hype, lief wohl zum Tourbeginn im Januar in jeder Kultursendung des öffentlich-rechtlichen, guggt mal

ZDF aspekte Mythos Kraftwerk

Und jetzt der Hammer, wisst ihr wo die in diesem Jahr auftreten? Am 17. Juli beim Jazzfestival in Montreux … da haben die Düsseldorfer Jungs einen legendären Weg hingelegt.

Übrigens gibt es noch Karten zwischen 90 und 240 CHF.

Zur Erinnerung, so klingt das dann, hier „das Model“ …