in Reisen – München

München vom 27. bis 31.7.2013

Eigentlich sind wir zur Geburtstagsparty einer Nichte angereist, Katja feiert ihren 30sten und wir verbinden diesen Anlass mit ein paar Tagen Familie und Streifzügen durch die sommerliche Stadt.

Einen Tag vor Abreise sehe ich Details der Einladung über facebook, ach du Schreck, eine 80er-Mottoparty soll es werden. Schreibe Katja, das ich ganz gerührt bin, dass sie eventuell annehmen könnte, ich würde noch in meine 80er-Klamotten passen. Gebe die Unmöglichkeit zu, schlage aber vor, dass sie mir ein Schild zum Umhängen bastelt, mit der Aufschrift „Zeitzeuge – die 80er, ich war dabei“. Na, das Verkleiden überlassen wir wohl der Generation, die nicht weiß, wie schlecht Karottenhosen mit Bundfalten in der Realität aussehen.

Samstag kommen wir an, am Abend geht es gleich an die Isarwiesen. Perfekte Organisation, das Bier kühlt im Flußbett, drei große Steroporkisten mit Eis halten weitere gekühlte Getränke vor, eine Kiste nur mit Jägermeister und Ramazotti, liebevoll portioniert in Reagenzgläser gefüllt, die im Eis stecken. Das Salatbüffet steht, der Grill läuft, die Musik auch, und für Menschen mit Rücken und einer Abneigung gegen Decken auf hartem Boden stehen Biertische und -bänke parat, die im späteren Verlauf noch eine heikle Rolle spielen werden.

35°, summer in the city, alles sehr lässig.

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Grillen an den Isarwiesen – schon oft habe ich davon gehört, seit 2011 ist das gesamte Isarstück zwischen Großhesseloher Wehr und dem Deutschen Museum renaturiert und der Fluss wieder in seiner Vielfalt erlebbar. Entstanden ist eine neue Freizeitkultur mit dem Fluss in der Stadt, es wird gebadet, gechillt und gegrillt, ein Angebot, das vor allem von jungen Menschen genutzt wird.

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Die „Hausherrin“ bei letzten ordnenden Handgriffen

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Zwischendrin trieben johlend ganze Schlauchbootbesatzungen auf den überraschend schnellen Strudeln vorbei, eine Frau hoppelte auf dem Hintern über die Steine, die plötzlich im Flussbett auftauchen können, immer schreiend „mein Schuh, mein Schuh“, der Angerufene schnellte zwei Armeslängen voraus über die Wasseroberfläche. Alles sehr lustig, am Ufer sitzend, ein kühles Bier in der Hand und die Füße im Wasser baumelnd

 

Mitten im Partyverlauf haben wir noch eine besondere Begegnung, berittene Polizei patroulliert tatsächlich am Isarufer, man darf hier weder Musikanlagen betreiben noch „Möbel“ (Biergarnituren) aufstellen. Fühlen sich solche Regeln doch kleinlich an, wenn man sich selbst daran halten muss. Kurz verdirbt der Auftritt die Stimmung, zumal Katja ihre Daten angeben muss und eine Verwarnung bekommt, aber dann siegen der Sommerabend und die Freunde.

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Entzückender Zwanziger-Kopfschmuck auf Achtziger-Party triff auf die Obrigkeit

Zu späterer Stunde will ich gar nicht mehr gehen, quengelnd möchte ich unbedingt am Fluss übernachten, unterliege aber einer Übermacht, die an mir zerrt. Wir brechen auf und lassen die Jungen alleine durch die Nacht feiern.

Am Sonntagmorgen, schwankend im Wasserbett erwachend, das uns großzügig überlassen wurde, bin ich heilfroh: gerade noch dem dicken Schädel entkommen, so deutet das sanfte Hintergrundpochen an. Immer noch 35°, wir radeln tatsächlich zum Auer Duld, einem Markt, der vierteljährlich stattfindet mit einer Mischung aus Putzmitteln, Antiquitäten, Geschirr, Fressbuden, ein Seifenkistenrennen findet statt. Heiß, heiß, zu heiß. Nach einer Stunde fühlt sich der Asphalt praktisch flüssig an, wir radeln Eis essen und verschanzen uns danach mit der Familie in der Wohnung, uff, das muss für heute genügen.

 

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Sieht man das Hitzeflirren? Es war leer, zu heiß, und alle die da waren hatten ständig irgendein Getränk in der Hand

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Super, ein Blechschild auf dem Auer Duld, diese rötliche Sonnenbräune, das strahlende Trenker-Lächeln, das hätte ich echt gerne erstanden. 120,- € waren mir aber zuviel, da genügt dann plötzlich doch ein Bild davon

 

Montagmorgen, endlich eine kleine Abkühlung, wir erkunden die Stadt. Spontan machen wir eine Stadtführung mit und streifen durch die Altstadt. Promenadenplatz (mit modernem Denkmal, Michael-Jackson-Gedenkstätte und peinlicherweise auch noch einem Huldigungsplatz für Bubbles, seinen Schimpansen), Fünf Höfe, Odeonsplatz, Dom zu unserer lieben Frau, Drückebergergasse – wir erfahren allerlei über die Stadtgeschichte, gespickt mit Anekdoten.

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Angelika Lohner, studierte Kunsthistorikerin und laut eigener Aussage zu der aussterbenden Art der Münchner mit münchner Ahnengalerie gehörend. Sie hat die Führung charmant und interessant gemacht

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Der Marienplatz mit Roland-Emmerich-Himmel, wir blieben aber trocken

 

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Natürlich waren wir auch „Am Platzl“, das inzwischen fast ein Schuhbeck-Imperium ist, mit Teeladen, Schokoladenladen, Eisdiele, Konditorei, Kochschule, Gewürzladen, diversen Reastaurants. Fast ermüdet es einen, ähnlich der Omnipräsenz Schuhbecks selbst in TV und Gewürzregal.

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Der Gewürzladen, das orientalisch aufgepeppte neue zweite Stockwerk, orientalischer Gewürzbasar, hat was von Disnesland

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Das sind Preise, da mach ich mit Slow Food 8-10 Kochabende von, das ist echt übertrieben, pfff

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Urban Gardening, diese Tomate ist hart im Nehmen

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Julia mit der blanken Brust, ein Geschenk der Partnerstadt Verona und eine getreue Nachbildung der dortigen Julia. Angeblich bringt sie unglücklich Verliebten gegen eine Blumenspende und die genannte Brustberührung Glück oder vielleicht zumindest Trost. Ich habe drei Rosen im Arm der Statue gezählt, achjeh

 

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Die Schrannenhalle, sehr gute Restaurants, eine großer Käfer-Feinkostladen und hübsche kleine Stände um viel Geld für Köstlichkeiten auszugeben. Eigentlich wollen wir am nächsten Tag hier eine Gourmet-Führung machen, es wird aber etwas dazwischen kommen

 

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Alles Lila oder was? Die Milka-Welt im Untergeschoss der Schrannenhalle. Inzwischen braucht ja jede Schokoladensorte ein Museum und die Läden laufen, in Köln das Lindt-Museum, in Berlin das Ritter-Sport-Museum, es lebe die Markenwelt. Wir haben nichts gekauft, trotzdem ist der Weg ins Untergeschoss ein Geheimtipp, hier gibt es saubere und völlig kostenfreie Toiletten, eine Seltenheit in heutigen Städten, in denen sich viele Restaurants nicht schämen, eine Dame mit Teller auf ihre Toiletten zu setzen

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13,95 für Walderdbeeren? Da gehe ich doch noch lieber sammeln also sowieso

 

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Alles endete im Biergarten am Viktualienmarkt. Ich bin Fan, dies ist mein Lieblingsbiergarten von allen Biergärten die ich kenne. Das Bier ist nicht teurer als im Freiburger Feierling, die Brezeln immer frisch und knusprig und man kann schauen, schauen, schauen

 

Der Dienstag wurde dann zum ungeplanten Biergarten-Test, es war ein schöner Tag, nicht zu heiß, wir sind einmal durch den kompletten englischen Garten gelaufen, wir hatten uns die Biere also verdient.

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Biergarten am chinesischen Turm, hier war es noch leer

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Haus zum See, der Schickimicki-Biergarten am Kleinhesseloher See am andren Ende des englischen Gartens. 4,20 € für eine Halbe zum Selbstholen ist satt, aber die Lage ist wunderschön

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Eine Ente mit Bedürfnis nach Privatsphäre

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Tja, dann sind wir irgendwie wieder am Viktualienmarkt gelandet

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Am Abend gab es dann noch Familienpicknick im Biergarten am Viehmarkt. Hier sieht es eher nach Berlin als nach München aus und Kastanien und traditionelle Biergartenbesucher findet man hier nicht, aber ein Open-Air-Kino. Ist schön, dass die Stadt die ganze Bandbreite bietet

 

Am Mittwoch begaben wir uns auf die gemütliche Heimreise, mit Zwischenstopp in Ravensburg. Tatsächlich war es sehr nett hier, eine schöne Altstadt und viele kleine Lädchen, ich glaube, hier könnte auch mal einen Tag einplanen.

Im Bereich Ravensburg gab es schon 2000 v.Chr. erste Ansiedlungen, auch Römer und Alemannen siedelten hier, urkundlich wurde Ravensburg zum ersten Mal 1088 n.Chr. erwähnt. Im Spätmittelalter (noch vor den Fuggern) war Ravensburg Sitz der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, der damals führenden deutschen Handelsgesellschaft, die in ganz Europa Niederlassungen hatte.

2011 hatte Ravensburg ca. 50.000 Einwohner und ist große Kreisstadt.

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Wir raten, ein altes Stadttor

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Und ein alter Turm, ehemals Gefängnis, mit hübschen bunten Ziegeln

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Die historische Altstadt ist weitgehend erhalten, Ausblicke bieten sich überall

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Angekommen, daheim ist auch schön, Abendstimmung auf der Terrasse im Schwarzwald